Leine, Schleppleine und Freilauf (Teil 1)

von
BETTINA KÜSTER
jagendehundeohnelogo

Freilauf ist wichtig für einen Hund
Hunde sind sehr soziale Wesen, kooperations- und anpassungsfähig. Sie kommunizieren ständig mit ihrem Gegenüber, sei es Mensch oder Hund. Viele Halter deuten das ausgeprägte Ausdrucksverhalten eines Hundes nicht richtig und behalten den Hund lieber an der Leine. Hunde sind darauf bedacht, harmonisch miteinander umzugehen und wahre Konfliktlöser. Der Kontakt zu Artgenossen ist für sie sehr wichtig sowie zu schnüffeln und zu buddeln. Das Leben an der Leine lässt dies nur bedingt zu.

Wie schränken wir unsere Haus- und Familienhunde eigentlich in ihrer Freiheit ein? Welchen Einfluss hat das ständige kontrollierte an der Leine laufen auf ihr Verhalten?
Spontan fallen mir dazu die vielen Freigänger-Katzen ein, die man überall antrifft und tun und lassen können, was sie wollen. Was für ein tolles Leben diese Katzen doch haben, im Vergleich zu unseren Haushunden. Schaut man sich hingegen einen Hund an, der vom Wolf abstammt, ist unserem domestizierten Haus- und Familienhund nicht wirklich viel von der Freiheit geblieben. Ganz im Gegenteil: Hunde werden heute ständig kontrolliert – an der Leine fast noch mehr als im Freilauf. Dieses hat Auswirkungen auf die Kommunikation mit anderen Hunden, Menschen und Tieren. Einzig und allein die Straßenhunde – ohne Besitzer führen ein unkontrolliertes Freigänger-Leben und sie kommen damit gut zurecht und sind meist absolut sozial.
Doch zurück zu unseren Haushunden. Man kann Hunden, die ständig an der Leine laufen durch eine Schleppleine mehr Freiheit gewähren, als an einer 2-Meter-Leine.

Fast wie ein Freilauf, die Schleppleine.
Die Simulation des Freilaufs funktioniert an einer Schleppleine sehr gut. Die Länge einer Schleppleine variiert. Sie kann 3-15 m lang sein kann. Ich persönlich bevorzuge biothane Schleppleinen (5 m). Zur Schleppleine gehört ein gut sitzendes Geschirr. Aufgrund der Strangulierungs- und Verletzungsgefahr werden Schleppleine und Halsband niemals zusammen benutzt. Eine Schleppleine wird in der Regel zur Erziehung eines Hundes eingesetzt oder aber auch bei Hunden, die noch nicht frei laufen können. Die Schleppleine wird in der Regel vom Hund hinterher geschleppt, so dass der Besitzer immer noch sehr schnell nach der Leine greifen kann, falls der Hund ausbüchsen wollte. Schleppleinen werden auch im Mantrailing benutzt. Hunde sind Nasentiere und erschnüffeln ihre (Um)Welt und benötigen diese Beschäftigung, um ihre natürlichen Bedürfnisse zu befriedigen, auch das ist sehr gut an einer Schleppleine möglich.

Aufmerksamkeitstraining an der Schleppleine
Damit der Hund lernt, in einem gewissen Radius bei uns zu bleiben, praktiziere ich ein Schleppleinen- und Aufmerksamkeitstraining. Dieses ist dafür da, dass sich der Hund am Halter orientiert und lernt ihm seine Aufmerksamkeit  zu schenken. Dabei lernt der Hund  in einem bestimmten Radius (Radius der Schleppleine, 5-10 m) beim Halter zu bleiben,  ihn anzuschauen und  zu ihm zu kommen. Ziel dieses Schleppleinen- und Aufmerksamtkeitstraining ist es den Hund alsbald ohne Schleppleine laufen lassen zu können.
Folgene Schritte sind nötig:
1. Beginnt mit dem Training  in einem Gebiet mit wenig Reizen (schwaches Ablenkungsgebiet), zum Beispiel im Garten auf dem Hof und dann erst auf der Gassirunde. Der Hund wird jedes Mal für seinen Blickkontakt belohnt. Ist euer Hund sicher beim Ausführen des Blickkontakts, wird es mit einem Signal belegt, bzw. benannt. Ich nenne es Schau.
2. Wenn euer Hund sicher in der Ausführung des Signals Schau ist,  sollte das Training an mehreren Orten (z. B. draußen, drinnen, auf verschiedenen Untergründen, im Park, also an verschiedenen Orten zu verschiedenen Tageszeiten (das nennt man *Generalisierung ) durchgeführt werden. Wichtig dabei ist immer wieder die Belohnung für das eingeforderte Schau.
3. Sobald
der Hund sich nun immer öfters an euch orientiert und euch immer wieder anschaut und ihr ihn natürlich mit einer Belohnung bestätigt, kann der nächste Schritt vollzogen werden.
4. Ihr könnt nun mit eurem Hund  in ein größeres Ablenkungsgebiet (Wald oder Park) gehen. Damit euer Hund euch immer und gerne anschaut und bei euch bleibt, wenn ihr unterwegs seid, ist eine Generalisierung unumgänglich. Hierbei ist es wichtig, dass auch die vom Hund angebotenen Blicke und das Zurückkommen belohnt werden – auch wenn ihr diese nicht eingefordert habt. Sogar nur das Kopfdrehen zu euch sollte belohnt werden. Je öfter ihr das belohnt, desto mehr wird der Hund den Kopf zu euch drehen und euch angucken (das nennt man shaping=gewünschtes Verhalten formen). Das könnt ihr übrigens mit allem machen, was euer Hund euch anbietet und euch gefällt. Euer Hund dankt es euch indem er es öfters tut.

*Generalisierung im Hundetraining = Das Erlernte immer wieder zu verschiedenen Tageszeiten, an verschiedenen Orten und auf unterschiedlichen Untergründen praktizieren.

Bei allen Trainingseinheiten, die ihr mit eurem Hund gestaltet, solltet ihr darauf achten, dass ihr und der Hund entspannt seid. Alle Übungen sollen mit einem positiven Ergebnis abschließen, damit euer Hund das Erlernte positiv verknüpft und bei der nächsten Einheit motiviert ist mit euch weiter zu arbeiten. Also lieber mehrere kurze Einheiten einplanen, als eine lange Einheit.

Bettina Küster

Hundepsychologin nTR
Trainerin für Diabetikerwarnhunde

http://www.gute-Laune-Dogs.de
https://www.facebook.com/gute-laune-dogsde-199906573437716/

 

Der 2. Teil Der Einfluss der Leine auf das Verhalten eines Hundes können Sie bald in diesem Blog hier lesen.

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