Die Sozialisation eines Welpen

VON

BETTINA KÜSTER

Die meisten Welpenbesitzer legen leider viel zu viel Wert auf den Gehorsam ihres Welpen und vergessen dabei die Sozialisation. Natürlich ist es toll, wenn ein Hund hört wenn man ihn ruft. Man kann nicht früh genug damit beginnen. Jedoch ist der Gehorsam im Welpenalter nicht das Wichtigste. Sie können Ihrem Hund im Alter von 10 Wochen genauso Sitz beibringen wie einem Hund im Alter von 10 Jahren. Es ist wesentlich einfacher einen jungen Hund zu trainieren, bei einem älteren Hund könnte es vielleicht ein bisschen länger dauern. Doch zurück zur Sozialisation eines Welpen. Diese sollte für jeden frischgebackenen Hundepapa oder frischgebackener Hundemama allererste Priorität sein.

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Was bedeutet Sozialisation eines Welpen?
Sozialisation bedeutet den Welpen zielgerichtet positiven Erfahrungen auszusetzen, um ihn auf ein Leben in unserer Menschenwelt vorzubereiten.
Eine vernünftige Sozialisation Ihres Welpen wird eine direkte, dauerhafte und positive Auswirkung auf sein Verhalten als erwachsenen Hund haben. Welpen, die nicht genügend sozialisiert sind, werden Verhaltensprobleme bekommen. Der Schwergrad der Verhaltensstörung ist individuell abhängig vom Hund.
Beispiel 1: Der Hund könnte übernervös sein, nicht in der Lage sein, sich zu konzentrieren oder er ist zu angestrengt und nicht in der Lage sich zu entspannen.
Beispiel 2: Der Hund ist ängstlich, aggressiv und überwältigt von seinen eigenen Gefühlen.
Das Leben eines Welpen/Hundes hat verschiedene Phasen.
Hundewelpen durchlaufen ihre 1. Angstperiode mit 8 Wochen (Dr. Kathryn Lord / Monty Sloan). Deshalb sollte ein Welpe frühestens mit 10 besser noch mit 12 Wochen erst abgegeben werden. Je länger der Welpe bei der Mutter und den Geschwistern bleiben kann, desto besser für seine spätere Entwicklung.
…Außerdem kommt es bis zur sechsten Lebenswoche immer noch zu Zellteilungen im Hundehirn. Danach ist allerdings Schluss damit, ab dann werden „nur noch“ bestehende Nervenzellen weiter vernetzt und die Vernetzungen stabilisiert. Damit sind wir bei einem ganz entscheidenden Punkt angelangt: Nur Verknüpfungen, die benötigt werden, bleiben auch vorhanden. Alles, was nicht benötigt wird, weil die Reize fehlen, die es als Stimulus dafür braucht, wird in der Pubertät unwiderruflich abgebaut. Je mehr Umwelteindrücke der Hund also erfährt, desto mehr stabile Verknüpfungen entstehen und desto leistungsfähiger sind nachher der Hund, sein Gehirn und sein Organismus. Hundes, die in dieser Phase die für sie und ihre Umwelt richtigen und wichtigen Reize präsentiert bekommen, können sich ihr Hundeleben lang besser auf Stress und wechselnde Lebensbedingungen einstellen…(S. 25 oben, Hilfe mein Hund ist in der Pubertät, von Sophie Strodtbeck und Uwe Borchert).
Die Sozialisationsphase beginnt ab der 4. Woche und endet mit dem 6. – 9. Lebensmonat, je nach Rasse und Indivduum.

Lassen Sie uns die verschiedenen Punkte der Sozialisation anschauen. Es gibt ein paar Schlüsselpunkte.
1. Sozialisation ist nicht dasselbe wie Gefährdung aussetzen. Es reicht nicht aus, dass Sie den Welpen zig Reize aussetzen. Sie müssen und sollten sicher sein, dass dieser Reiz für ihren Welpen eine positive Erfahrung ist.
2. Lassen Sie Ihren Welpen selbst bestimmen, was er tut. Buxieren Sie ihn nicht in Situationen, bevor er nicht selber dazu bereit ist, ansonsten hat das negative Auswirkungen auf seine Erfahrung, die sich wiederum in seinem Verhalten wiederspiegeln wird. Ihr Welpe  sollte die Welt in seinem eigenen individuellen Tempo entdecken. Sie können ihn dazu ermutigen oder belohnen – aber hetzen Sie ihn nicht, Dinge zu tun, die er nicht von sich aus tut.
3. Im Zweifel geben Sie ihm so viel Raum wie nötig. Er muss nicht immer im Mittelpunkt stehen, um eine positive Sozialisation zu erfahren. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die jeweilige Situation für Ihren Welpen zu viel ist, holen Sie ihn aus dieser Situation heraus.
4. Je mehr Reize, desto besser. Ihr Welpe braucht gute Sozialisierungen und Erfahrungen. Doch achten Sie darauf in zu fordern, doch nicht zu überfordern. Eine gesunde Mischung macht es hier aus. Ein zweistündiger Einkaufsbummel in einer überfüllten Fußgängerzone wäre eine Katastrophe für Ihren Welpen, da er nicht in der Lage ist, diese ganzen Reize zu verarbeiten. Ein kurzer Trip (10 Minuten) nach Geschäftsschluss würde einem Welpen vollkommen reichen.

Die meisten Menschen haben keine Vorstellung davon,  dass Hunde mit anderen Hunden sozialisiert werden müssen. Doch das ist nur ein Teil der Sozialisationscheckliste.
Hier sind sechs Basiskategorien:

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Tiere
Der wichtigste Teil in dieser Kategorie, ist die Sozialisation mit anderen Hunden. Mit Rücksicht auf die Persönlichkeit und Rasseherkunft des Welpen, sollte ihr Welpe viele Hunde (große, kleine, dicke, junge, alte) kennenlernen.
Gelassene Rassen brauchen nicht so viele Sozialkontakte mit anderen Hunden, wie überschwengliche oder ängstliche Rassen oder Rassen, die tendenziell nicht gut auf andere Hunde zu sprechen sind.
Nicht jede Hundebegegnung muss zu einem Personalmeeting ausufern. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Welpen vermitteln, dass er nicht jeden Hund begrüßen muss. Ihr Welpe sollte  eine Vielfalt von Hunden bezüglich Alter, Größe, Spielformen, Farben kennenlernen.
Andere Tiere sollten auch auf Ihrer Checkliste stehen, wie Pferd, Katze, Vögel und Nager.

Fotos: Mein Hund Emma ist bei meinen Welpenterminen immer als Nanny dabei. Von ihr lernen die Welpen u. a. den Respekt und Umgang mit adulten Hunden.
Behandlung
Im Laufe ihres Lebens müssen sich Hunde von Menschen anfassen oder behandeln lassen. Bringen Sie Ihrem Welpen bei, dass es schön ist, sich kraulen zu lassen oder dass Bürsten entspannend sein kann. Dass der Welpe es nicht für schlimm erachtet, eine Spritze beim Tierarzt zu bekommen. Dieses ist zu Ihrer eigenen Sicherheit und Happyness des Hundes.

Geräusche
Hunde haben ein sensibleres und besseres Gehör als wir. Sozialisieren Sie den Welpen mit einer Menge an Geräuschen, z. B. Staubsauger und Motorengeräusche, unter der Berücksichtigung dass die Geräusche positiv belegt werden, gepaart mit schönen Dingen wie Futter oder Spielen.

Orte und Erfahrungen
Wenn Sie vorhaben, Ihren Welpen überall mit hin zu nehmen, dann gewöhnen Sie ihn an solche Orte (Besuche in Restaurants oder Cafés, Stadt, Autofahren), vorausgesetzt Ihr Welpe ist kein ängstlicher Typ.
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Menschen
Geben Sie Ihrem Welpen die Möglichkeit eine große Vielfalt an Menschen z. B. Kinder, Rollstuhlfahrer, große Menschen, Fahrrad fahrende Menschen, Menschen mit Kinderwagen usw. kennen zu lernen. Einige Merkmale mit denen Welpen Probleme haben könnten: Bart, Sonnenbrille, tiefe Stimme, Gehstock, Kopfbedeckungen, Kleidung. Versuchen Sie Ihren Welpen, mit Menschen, die diese Merkmale besitzen, zu sozialisieren.


Untergründe
Der Welpe benötigt eine Steigerung des Selbstbewusstseins für die unterschiedlichsten Untergründe, wie Gras, Sand, Stein, Wasser und Metall(Gitter).

Für die gesunde Entwicklung eines Welpen sind alle Arten von Schnüffelspielen und ganz viel Ruhe und Schlaf genauso wichtig wie die Sozialisation. Auf keinen Fall darf ein Welpe im Alter von 10 Wochen jeden Tag einen Mammutspaziergang von 60 Minuten machen. Eine ungefähre Richtlinie ist, pro Lebenswoche eine Minute Spaziergang. Soll heißen, ein Welpe im Alter von 10 Wochen sollte höchstens 10 Minuten am Stück spazieren gehen.

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Schnüffelspiele sind artgerecht und sollten immer auf der Spaß- und Funliste eines Welpen/Hundes stehen.

 

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Welpen benötigen 20-22 Stunden Schlaf pro Tag um das Erlebte zu verarbeiten.
Quellnachweise: Hilfe, mein Hund ist in der Pubertät (Sophie Strodtbeck/Uwe Borchert)
http://raisingcanine.com (Dr. Kathryn Lord)

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Bettina Küster
Hundepsychologin nTR
Trainerin für Diabetikerwarnhunde
http://www.gute-laune-dogs.de

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