Eine andere Perspektive auf die Mensch-Tier-Bindung

VON

BETTINA KÜSTER

Mit einem Haustier zu leben kann uns viel über erfolgreiche Kommunikation und Empathie lehren.

Was bedeutet Empathie überhaupt?

Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, den emotionalen Zustand eines anderen Empfindungsfähigen zu erkennen und zu teilen. Wir Menschen sind in der Lage unsere Emotionen durch Sprache auszudrücken. Tiere können ihre Emotionen nicht durch Sprache, sondern durch Körperhaltung, Laute, Gestik, Mimik sowie chemische Signale wie Gerüche und Pheromone ausdrücken.  Während die Kommunikation zwischen Individuen verschiedener Spezies wahrscheinlich schwierig sein wird, ist es unter Individuen gleicher Art aufgrund des gemeinsamen genetischen und ökologischen Hintergrunds normalerweise einfach.

Kommunikationsprobleme auch bei Menschen

Aber auch zwischen Menschen können Kommunikationsprobleme entstehen. Jeder, der in einem  fremden Land Urlaub gemacht hat kennt das;  die Missverständnisse und Frustrationen, die dadurch entstanden sind, dass man nicht dieselbe Sprache spricht und nicht verstanden wurde. Dabei vergessen wir, dass Menschen, die eine andere Sprache sprechen, in einer anderen kulturellen Umgebung leben und akzeptieren Dinge nicht, die für diese Menschen normal sind. Diese Schwierigkeit in der Kommunikation, ist das was unsere Haustiere jeden Tag mit uns erleben. Haustiere und Menschen haben sehr unterschiedliche Sprachen und Wahrnehmungen der Umwelt.

Sprachen haben sich entwickelt, um die Kommunikation zwischen Individuen derselben Spezies zu fördern, die in einer bestimmten Umgebung leben. Was für die eine Art nützlich und sicher sein kann, kann nutzlos und bedrohlich für eine andere Art sein. Das gilt für Menschen, Hunde, Katzen und alle anderen Tiere. Die Domestikation des Hundes hat seine kommunikativen Fähigkeiten mit Menschen stark verbesssert; Hunde können menschliche verbale und Körpersignale vielleicht besser als jede andere Spezies verstehen. Der Hund ist in der Lage den emotionalen Zustand des Besitzers aus seinem Tonfall heraus zu verstehen und er wird nach einem Objekt greifen, auf das der Besitzer mit dem Finger zeigt.

Menschen, Hunde und Katzen

Menschen, Hunde und Katzen sind jedoch Spezies mit enorm unterschiedlichen kommunikativen Fähigkeiten. Ihre jeweiligen Sprachen haben sich in erster Linie für die Kommunikation innerhalb ihrer eigenen Spezies in ihrer typischen Umgebung entwickelt und dann teilweise an ein gemeinsames Leben angepasst. Katzen haben den größten Teil ihres evolutionären Lebens in einer Umgebung verbracht, in der sie keine Ressourcen teilen (es gibt nicht viel zu teilen, wenn die Beute eine kleine Maus ist!). Als Katzen anfingen, mit Menschen zusammen zu leben, tolerierten sie die Nähe des Menschen, weil sie sich dann weniger bedroht fühlten. Ihre kommunikativen Fähigkeiten waren jedoch relativ „arm“, da sie den größten Teil ihres evolutionären Lebens in Einsamkeit verbracht hatten. Das gilt auch nach wie vor noch für unsere schnurrende Hauskatze, die sich von uns 10 Minuten streicheln lässt und gemütlich neben uns auf der Couch liegt und wenn wir nicht auf die Körpersprache der Katze achten, könnte es sein, dass sie sich plötzlich umdreht und in unsere Hand beißt, um zu sagen: „Hör auf!“ Der Mensch liebt es, Hunde und Katzen  lange zu streicheln, zu umarmen und zu küssen, denn enger Körperkontakt ist eine weit verbreitete Art des Menschen, Zuneigung auszudrücken.

Evolution der Hunde

Sicher ist die Geschichte der Hundeevolution anders, denn Hunde waren schon immer soziale Tiere, die ihr Territorium und ihre Ressourcen teilen. Sie entwickelten anspruchsvolle kommunikative Fähigkeiten, die teilweise an das Leben der Menschen angepasst sind, und sie nutzen enge körperliche Interaktionen mit Artgenossen und Menschen. Aber genießen unsere Hunde die Überschwenglichkeit, die manche Menschen zeigen, wenn sie mit einem fremden Hund interagieren?
Um diese Fragen zu beantworten, beobachten wir zusammen, was die meisten Hunde tun würden, um einen anderen Menschen oder einen anderen Hund zu begrüßen.  Der Hund nähert sich einer unbekannten Person mit Vorsicht, während sein Schwanz wackelt und er ihn vorsichtig beschnüffelt, um Gerüche und Pheromone wahrzunehmen, die wichtige Informationen über den Mensch enthalten. Erst danach entscheidet der Hund den nächsten Schritt. Der wedelnde Schwanz signalisiert nicht nur Freude; er sagt nur, dass der Hund in einer sozialen Interaktion involviert ist. Wenn wir nun wissen wollen, was der Hund denkt, müssen wir uns den Rest des Körpers anschauen. Wenn er sich verbeugt, könnte er eine spielerische Interaktion beginnen. Wenn seine Ohren nach hinten gerichtet sind und seine Zunge wiederholt Nase und Lippen leckt, dann benötigt der Hund etwas mehr Zeit, bevor er sich einer engeren Interaktion nähert.  Es gibt zig verschiedene Verhaltensweisen, die ein Hund unter ähnlichen Umständen zeigen kann, und jede von ihnen hat eine andere Botschaft. Leider achten wir nicht immer auf diese Botschaften. Und wenn ein Hund kein aggressives Verhalten zeigt, gehen wir davon aus, dass es ihm gut geht. Also bewegen wir uns zu schnell vorwärts und beginnen eine enge körperliche Interaktion und der Hund fühlt sich bedroht.

Zuneigung angemessen kommunizieren

Die meisten befreundeten Menschen begrüßen sich mit Umarmen und Küssen. Doch nicht jedem Mensch behagt diese Begrüßung. Man sollte also bei der Begrüßung auf sein Gegenüber achten und die Menschen weniger überschwenglich begrüßen und das Verhalten der Menschen beobachten, um zu verstehen, wie man „Zuneigung“ angemessen kommunizieren kann. Das sollten wir auch mit unseren Haustieren tun:

  • Erkenne das arttypische Verhalten
  • Erkenne das Verhalten des einzelnen Individuum, um seine Botschaften zu verstehen
  • Reagiere angemessen, entprechend dem Standpunkt des Tiers

Dies ist eine großartige Übung, um unsere Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und Empathie gegenüber jenen Spezies, Kulturen und Individuen zu fördern, die die Welt auf andere Weise sehen. Wir sollten uns bemühen, die Gefühle zu verstehen und zu respektieren.  Beginnen wir mit den Menschen und Tieren, die bei uns leben!

 

Bettina Küster

Hundepsychologin nTR

 

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Wünsche für das Jahr 2018

26116148_10208309190806126_4033398687723413669_oIch wünsche allen Facebookfreunden und meinen Mitlesern auf meiner Gute-Laune-Dogs-Facebookseite alles Liebe und Gute im Neuen Jahr.

Den Menschen wünsche ich viel Empathie für ihre Hunde und dass sie versuchen, diese zu verstehen und sich evtl. in sie reinzuversetzen, auch wenn es manchen Menschen schwerfällt. Hunde sind so bezaubernde Wesen. Sie verstehen uns eigentlich immer. Sie bringen uns zum Lachen, Weinen, Ausruhen, Entspannen, und zum Bewegen…usw..

Den Hunden wünsche ich Menschen, die sie verstehen und ein artgerechtes Leben in unserer manchmal hektischen Zeit. Hunde haben immer Zeit für uns.

In diesem Sinne, passt gut auf Eure vierbeinigen Freunde auf. Denkt daran, Ihr seid die Einzigen, die sie haben.

Liebe Grüße

Bettina mit Emma

Hunde sind bessere Menschen

Hunde leben im Hier und Jetzt. Wir denken komplizierter als Hunde. Unsere Vorstellung von unserer Wichtigkeit, kann zu Problemen führen. Tagtäglich bekommen wir durch die Medien vorgegaukelt, was wir alles an materiellen Dingen benötigen. Das Wenigste davon ist überlebenswichtig. Trotzdem müssen wir müssen uns immer anpassen; diese Eigenschaft der Anpassung beherrscht der Hund perfekt. Er passt sich seiner Umgebung und seinen Menschen an. Der Hund öffnet uns die Augen für unsere angebliche Wichtigkeit und unser Ego zu schmälern.
Seit dem ich mit Hunden zusammen lebe, ist mir die „Notwendigkeit“ von materiellen Gütern unwichtig geworden.

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Die wichtigsten Dinge im Leben eines Hundes

Hunde interessieren nur Dinge, die wirklich notwendig sind. Sie urteilen nicht über andere Hunde oder Menschen. Ihnen ist es egal ob man dick, dünn, reich oder arm ist. Sie lieben uns unerschütterlich für das was (ein Mensch) wir sind, nicht für das wer wir sind.
Doch der Mensch strebt nach einem guten Job, ein gutes Gehalt, ein Haus, ein Pool, einen attraktiven Partner, Reisen, erfolgreich zu sein und renomiert und gelobt zu werden. Wir bekommen ein Problem, wenn diese Bedürfnisse nicht befriedigt werden und fühlen uns minderwertig. Hunde interessiert es nicht, dass der Nachbarhund ein teueres Körbchen hat als er oder mit dem „besseren“ Hundefutter gefüttert wird.

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Öffne dich und sei du selbst

Sei so wie du bist, mit allen Ecken und Kanten. Das ist besser als es allen Recht zu machen und mit einer Maske herum zu rennen.
Kleide dich wie du möchtest, egal welche Figur du hast.  Hunde schämen sich auch nicht, wenn sie zu dick oder zu dünn sind oder urteilen gar über ihre Artgenenossen bzgl. ihres Aussehens.
Spricht deine Meinung aus, wenn dir etwas nicht passt; das tuen Hunde auch mit aller Deutlichkeit und meistens sind sie noch nicht einmal nachtragend.

Der Blick eines Hundes ist wie eine absolute Vertrautheit, so verwundbar, wunderbar und ehrlich.

Gute-Laune-Dogs wünscht einen guten und sanften Start ins Neue Jahr und ein entspanntes 2018 mit Ihrem Vierbeiner.

Bettina Küster

 

Hat die inhibitorische Fähigkeit (Impulskontrolle) einen Einfluss auf das Problemlöseverhalten?

Nutzen oder helfen Hunde ihre gemachten Erfahrungen in Problemlöseaufgaben?

Was ist die inhibitorische Fähigkeit (Impulskontrolle) überhaupt?
Die inhibitorische Fahigkeit (Impulskontrolle) ist die Fähigkeit impulsive (oder automatische) Reaktionen zu kontrollieren oder zu hemmen, um durch logisches Denken und Aufmerksamkeit Antworten zu finden.

Die dreijährige Kromforländerhündin hatte ihre Erfahrungen Türen zu öffnen bei der Übung „Futter suchen im Labyrinth“ nicht nutzen können.
Sie stand während der Übung, die 90 sek. dauerte vor der Scheibe des Labyrinths und war nicht in der Lage ihre Erfahrung „Türen zu öffnen“ beim Problemlösen bzw. bei der Lösung der Aufgabe, und zwar an das Futter im Labyrinth zu kommen, einzubringen.

Bei der Hündin war die Impulskontrolle gehemmt, sie war so sehr auf ihren Erfahrungsschatz fokussiert (Türen öffnen, saß vor der Scheibe des Labyrinths und versuchte dort hinein zu gelangen) dass sie nicht in der Lage war, die Übung zu lösen, bzw. zum Futter im Labyrinth zu gelangen.
Ihre o. g. Erfahrung und ihre eigentlich schnelle Auffassungsgabe halfen ihr nicht beim Lösen des Problems.

Von 12 Hunden haben neun Hunde die Übung „Labyrinth“ innerhalb der 90 Sekunden erfolgreich erledigen können.

Bettina Küster
Hundepsychologin nTR
Trainerin für Diabetikerwarnhunde
http://www.gute-laune-dogs.de
Ich freue mich über einen Pfotenabdruck auf der Seite Assessment für Hunde nBK©

Ziemlich beste Freunde! Warum andere Hunde so wichtig für unsere Hunde sind?

 

Hunde sind soziale Lebewesen und kooperationsfähig. Sie brauchen ihresgleichen, um ein Leben als Hund führen zu können. Hunde benötigen auch Rituale, also immer wiederkehrende Aktivitäten, die fest im Tagesablauf verankert sind, sonst können sie durcheinander geraten. Insbesondere für unsichere und ängstliche Hunde ist das besonders wichtig, denn so haben sie eine Erwartungssicherheit und können besser entspannen, als wenn sie nicht wüssten, was gerade an diesem Tag oder in diesem Moment passiert oder passieren wird.

Ein wichtiges Ritual ist, dass der eigene Hund die Möglichkeit hat, mit einem anderen befreundeten Hund regelmäßig zusammen zu spielen, zu toben und zu schnüffeln.

Emma zieht mich jeden Morgen, wenn ich mit ihr rausgehe an unserem Auto vorbei, welches neben dem Haus steht. Sie signalisiert mir damit, zu Lara, ihrer besten Freundin gehen zu wollen. Lara ist ein Border Collie und wohnt ca. 150 m weit weg von uns. Ist Lara mal nicht Zuhause, kann ich sie fast nicht mehr von der Tür wegbekommen, da sie sich so sehr darauf eingestellt hatte, mit ihr zusammen spazieren zu gehen.

Sie ist glücklich und zufrieden,  wenn Lara und sie dann zusammen losziehen können. Sie geben sich beide Sicherheit.
Auch die Empathiefähigkeit, die es unter Hunden gibt, kommt bei Lara und Emma sehr stark zum Vorschein, durch Aussenden von Beruhigungssignalen.
Lara (Border Collie) beruhigt Emma, wenn sie meint, dass Emma sich nicht wohlfühlt. Das macht sie z.B. auch wenn wir einen Weg entlang gehen auf dem viele Fahrradfahrer unterwegs sind, den wir leider nicht umgehen können. Emma findet Fahrräder ziemlich daneben. Auch wenn noch kein Fahrrad zu sehen ist, beruhigt Lara Emma mit den Calming Signals. Lara merkt an Emmas Verhalten – sie schaut sich öfters um – um sich zu vergewissern, dass keine Fahrräder kommen, dass sie nun Stress hat. Wahrscheinlich riecht sie zusätzlich noch den Cortisolspiegel von Emma, der jetzt ansteigt durch den Stress.

 

Bettina Küster
http://www.gute-laune-dogs.de

Hundeerziehung im Wandel von 1981 bis heute

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Jeder von uns kennt das Bild: Ein Hund wird von seinem Besitzer am Nackenfell gepackt und geschüttelt. In einigen Ratgebern über Hunde wird dies nicht nur als Strafe, sondern als eine Erziehungsmaßnahme vorgeschlagen. Was hat sich im Laufe der letzten 35 Jahre in der Hundeerziehung geändert?

Um das zu beantworten, werden wir eine kurze Reise durch die Fachliteratur der letzten 35 Jahre machen. Hierbei wird der Wandel in der Expertenmeinung sehr deutlich, denn bis wir da angekommen sind, wo wir uns heute befinden, hat der Hund ein gewisses Martyrium durchlaufen.

Von Nackenschütteln bis Leinenrucken

Dr. Ulrich Kober (Fachtierarzt und kynologischer Mitarbeiter der Zeitschrift „Wild und Hund“) rät in seinem Buch von 1981 „Pareys Hundebuch, Leitfaden für zeitgemässes Hundeverhalten“,  den Hund bei der Verunreinigung des Zimmers am Nackenfell zu ziehen und  mehrfach energisch „Pfui“ zu rufen. Das Hineinstubsen in sein „Geschäft“ mit der Nase sei eine sinnlose Strafmaßnahme.

Das Wissen, dass der Hund durch das Packen und Schütteln des Nackenfells Todeängste bekommt und eine Mutter ihre Welpen nie im Nacken packen würde, um sie zu strafen, sondern nur um sie von A nach B zu transportieren, gab es damals noch nicht. An anderer Stelle gibt Kober eine Anleitung zum Spiel mit Kindern: “Ruhig einmal die Hände belecken lassen, da der Neuankömmling Duft und Ausdünstung der als „Meutegenossen“ angesehenen Kinder kennenlernen will.“  Dieses Zitat finde ich bis auf die Tatsache, die Kinder als Meutegenossen zu bezeichnen, erst einmal für die damaligen Verhältnisse in Ordnung. Nie darf der kleine Kerl Angst vor uns haben. Lob, Abliebeln und Hörzeichen ‚Brav, mein Hund’, ggf. auch Verabreichen eines Lieblingsbissens, stehen in den ersten Wochen immer im Vordergrund. Niemals wird geschlagen.“ „Falls notwendig, kann bei verbotenem Verhalten der ‚Vaterrüde’ nachgeahmt werden. Statt Nackenbiss wird der Welpe am Nackenfell ergriffen und kurz geschüttelt; im Bedarfsfall kann er dabei auch hochgehoben werden. Statt des‚über die Schnauze-Beißens’ des Rüden kann man ihn auch am Nackenfell festhalten, während die andere Hand den Fang von oben her fest umfasst. Diese Strafreize müssen immer von einem energischen Hörzeichen „Pfui“ begleitet werden.“ Hier wird ersichtlich, dass für Kober das Ziehen am Nackenfell völlig normal ist bzw. eine Erziehungsmaßnahme für ihn zu sein scheint. Das Hineinstubsen mit der Nase hingegen betrachtet er als eine Barbarei.

Im Kapitel Leinenführigkeit schlägt Kober brachiale Methoden vor. Man solle eine lange Schnur am Halsband befestigen oder eine praktische Abroll-Kordelleine mit Stopp-Hebel (1981 gab es offensichtlich noch keine Flexi-Leinen bzw. noch nicht den Begriff).

„Der junge Hund soll im Spiel wild umherspringen und an der Leine zerren, bis die Stoppwirkung eintritt. Hat er sich aber einmal überschlagen bzw. merkt er deutlich das Unangenehme beim Haltruck, lernt er sehr bald, dass es viel besser ist, den Haltruf bzw. Pfiff zu befolgen, den man vorher eingeübt hat.“

In diesem Buch wird – so wie es Kober ausdrückt – vom Meuteführer und die untergeordneten Meutekumpane (damit sind die Familienmitglieder gemeint) gesprochen.

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Schlagen des Hundes ist sinnlos, aber Strafen ist wichtig

In dem Buch „Unsere Hunde“ aus dem Jahr 1984 von Sybille von Lichem und Dr. Heinz von Lichem findet man Bilder mit Hunden, die ein Stachel- oder Würgehalsband tragen und Aussagen wie: „Jadghunde gehören nur in die Hand des Weidmannes.“ Im Kapitel zur Erziehung des Hundes erklären die Autoren, wie der Hund mittels immer derselben verwendeten Befehle, die sogenannten Hörzeichen, Fuß, Sitz, Platz, Liegen, Zurück, an die Leine, erzogen werden soll. Man soll diese akustischen Signale sowohl leise als auch laut geben und sie mit Handbewegungen (heute: Sichtzeichen) untermalen. Auch wird auf den Einsatz von Hundepfeifen verwiesen und dass diese dann immer verwendet werden sollten. Ein ganz wichtiger und, wie ich finde, erfreulicher Erziehungsvorschlag ist: „Schlagen des Hundes ist absolut sinnlos. Wir achten von Anfang an darauf, dass das, was der Hund tun darf (oder soll) mit Lob und Wohltat (Hundekeks) verbunden ist.“

Aber leider haben beide Autoren auch eine Menge über Strafen zu berichten:

„Umgekehrt muss der Hund erleben, dass er gerügt und bestraft wird, wenn er falsch handelt. Die Strafe darf nicht nach der Untat, sondern während der Untat erfolgen. Hervorragend geeignet ist das Packen am Nackenfell, das Nachwerfen der Leine oder eines kleinen Steines; ausgezeichnet ist das bewusste Ignorieren, wenn unser Gefährte disziplinarisch versagt hat. Lob mit zärtlichen Worten, durch Streicheln, durch einen Leckerbissen baut jeden Hund, der sich richtig verhält, seelisch und erzieherisch nur auf. Unsere Hände dürfen nur loben, niemals schlagen. Zur Bestrafung eignen sich ein leichter Stock, eine zusammengerollte Zeitung usw. Doch der zu bestrafende Hund darf damit nicht wirklich geschlagen werden, sondern bekommt sinnbildlich einen etwas kräftigeren  Klaps (einen und nicht mehr!).“

Es ist schon überraschend, wie viel der Autor über Strafe und wie wenig über das Loben des Hundes schreibt. Hier wird nicht mehr unterschieden, sondern hier wird das Packen am Nackenfell als Strafe deklariert. Die Ambivalenz des Zitates spricht für die damalige Zeit. Es werden alle möglichen Arten von Strafen aufgezählt und im gleichen Atemzug soll der Hund mit Lob und zärtlichen Worten, durch Streicheln, durch ein Leckerbissen seelisch und erzieherisch wieder aufgebaut werden. Den Autoren war bewusst, dass er mit seinen Strafmaßnahmen den Hund „fertig“ machen konnte.

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Dominanztheorie: Die Weltherrschaft unserer Haushunde

Die damalige Unwissenheit über Verhalten und Erziehung von Hunden zeichnet sich weiter fort – auf Kosten des Hundes –  und zwar über die Dominanztheorie, die mittlerweile über 100 Jahre alt ist. Die Idee der Dominanz hat ein Deutscher in die Welt gesetzt, Oberst Konrad Most, ein preußischer Polizeibeamter. Er gründete damals seine Theorie auf wissenschaftliche Belege. Er und andere Wissenschaftler beobachteten Wolfrudel und glaubten zu erkennen, dass jedes Rudel von einem Wolf dominiert wird, der die anderen Wölfe despotisch streng durch Furcht beherrscht. Diese Theorien wurden nur aufgrund der Forschungsergebnisse von beobachteten Gehegewölfen (Wölfe in Gefangenschaft) hergestellt. Gehegewölfe verhalten sich nicht natürlich, da sie eine zusammengewürfelte Gruppe von nicht verwandten Wölfen sind.

Frei lebende Wölfe bestehen aus einem Familienverband bzw. sind eine Familie und die „Herrscher“ sind die Eltern. In diesem Familienverband gibt es keine oder wenig Aggressionen. In einem frei lebenden Rudel gibt es keine Dominanzgesten um Sexualpartner, da die Eltern das Rudel „beherrschen“. Die Kinder wandern ab, um sich eigene Sexualpartner zu suchen und würden niemals ihre Eltern umwerben. Damals gab es fast keine Verhaltensbeobachtungen an frei lebenden Wölfen, sondern nur an Gehegewölfen, die allesamt ein gespanntes Verhältnis zueinander hatten. Dabei kam es dann häufig zu zeit- und situationsbedingten Dominanzgesten, meist um einen Sexualpartner.  Daraus schlossen die Forscher, dass ein Wolf, ergo der Hund (Rüde), immer Chef sein will.

Diese Vorstellung hat die moderne Verhaltensforschung in den letzten zehn Jahren korrigiert. Zum Glück kann die heutige Dominanztheorie heute wissenschaftlich belegt werden. Kaniden betreffend definiert Dr. Roger Abrantes (portugisiescher Ethnologe und Biologe) Dominanz als „einen Trieb, der darauf ausgerichtet ist, Konkurrenz um Weibchen auszuschließen.“

Es stellt sich also die Frage, ob unser domestizierter Haushund dies im Sinn hat, wenn er auf seinen Besitzer und seine Familie blickt. Will der Hund wirklich seine Stellung im „Rudel“ verbessern? Liegt er nachts wach und schmiedet einen Komplott, um seine Menschen zu beherrschen? Oder plant der Hund gar das biologisch Unmögliche?

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Erste positive Erziehungstipps

Casper von Poser schreibt in seinem Buch „Freude an Hunden“ aus dem Jahr 1991: „Doch tadeln Sie ihn nie, wenn er für ihr Gefühl zu langsam lernt, sondern loben sie ihn, wenn er etwas zum erstenmal richtig macht (Fein!, Brav!). Das ist dann für beide wie ein Fünfer mit Zusatzzahl. Denn auch der Hund merkt, dass der Familiensegen wieder gerade hängt.“ Dieses empfiehlt von Poser im Zusammenhang mit der Lektion Stubenreinheit. Er verweist nicht auf das Schütteln des Hundes am Nackenfell. Auf gar keinen Fall soll ein Würgehalsband verwendet werden soll, denn dies sei in gewisser Weise ein Marterinstrument. Interessant sind auch die recht guten Erziehungstipps:

  • Der Hund sollte in guter körperlicher Verfassung sein.
  • Jeder Befehl sollte mit seinem Namen beginnen.
  • „Die Länge der Lektionen sollte am Anfang nicht mehr wie 10 Minuten überschreiten.
  • Machen Sie sich für die Erziehung des Hundes einen Stundenplan
  • „Ihr Hund erwartet von Ihnen in der gleichen Situation den gleichen Befehl und die gleiche Verhaltensweise.
  • Ihr Hund versteht nicht den Wortlaut ihrer Sprache, sondern den Tonfall. Deshalb muß Ihre Stimme beim Tadeln eine andere sein, als wenn sie ihn loben.“

In dem Buch wird auch über Rügen und Strafen gesprochen, z. B. wird dazu geraten, mit Körpereinsatz und Leinenruck zu arbeiten.

Dominanz-Unterordnungs-Stil

In seinem Buch „Wir Hunde“ (1991) führt Dr. Giorgio Andreoli die komplett veraltete Dominanztheorie aus. „Der Haushund überträgt die sozialen Beziehungen, die er naturgemäß zu seinen Artgenossen entwickeln würde, auf sein Menschenrudel.“ Das stimmt nicht. Hunde sind in der Lage, mit uns zu kommunizieren, aber sie sehen uns nicht als ihre Artgenenossen an. Dr. Andreoli weiter: „Es geht darum, ihm seine Grenzen aufzuzeigen, so wie es das Leittier gegenüber seinen Rudelgenossen tut. Vielmehr muß man dem Hund neben Strenge und Konsequenz ebenso Zuneigung und Lob zeigen. Anderenfalls zieht man sich einen verängstigten und unterwürfigen Hund heran. Am besten erzieht man einen Hund nach den Prinzipien der Dominanz und Unterordnung, die auch das Leben im Rudel regeln.“ Der Besitzer muß dem Hund zeigen, wo es langgeht. Der Autor ist auch der Auffassung, dass es bei den Rassen Pudel, Beagle und anderen Jagdhunden mit gutem folgsamen Charakter erst gar nicht zu Gehorsamsproblemen kommt und dass diese Rassen die Autorität des Herrn nie in Frage stellen (in dem Kapitel gibt es nur Fotos von Deutschen Schäferhunden). Dr. Andreoli ist promovierter Biologe und hat 1984 an einem Projekt zur Untersuchung der Ökologie und des Verhaltens von Wölfen und wildlebenden Hunden in Italien teilgenommen. Er ist der Meinung, dass der Hund mit Strenge und Konsequenz nach den Prinzipien der Dominanz und Unterordnung erzogen werden solle. Ansonsten werde sich das Verhältnis Hund/Halter als Mutter-Kind-Verhältnis widerspiegeln und der Hund würde niemals erwachsen werden. Den gleichen Effekt erhalte man durch zuviel Aufmerksamkeit und Fürsorge. Das ist interessant. Zumindest wusste Dr. Andreoli, wie man einen Hund richtig erzieht, nämlich mit einer Fürsorge wie bei einem Mutter-Kind-Verhältnis und sehr viel Aufmerksamkeit, Liebe und Respekt. Doch Dr. Andreoli  propagiert den Dominanz-Unterordnungs-Stil.

In dem praxisnahen Buch „Hunde richtig erziehen“ (1994) von Dr. Bruce Fogle, Tierarzt aus England, wird von den geeigneten Maßnahmen (Gehorchen von Befehlen bis zur Korrektur schlechter Angewohnheiten) gesprochen. Auch hier wird wieder vom Rudelführer Mensch, Dominanz, Unterwürfigkeit und Rangordnung gesprochen und auf die Erziehung der Hunde „übertragen“. Im Kapitel „Wie Ihr Hund denkt“ schreibt Dr. Fogle etwas Wahres und Erfreuliches: „Nur wenige Hunde möchten Rudelchef sein. Die allermeisten fühlen sich sicher und geborgen, wenn ein anderer das Kommando übernimmt. Die frühe Gehorsamserziehung verstärkt dieses natürliche Verhalten und lehrt die Welpen, auf die Befehle des Menschen zu reagieren.“

Dr. Fogle ist eigentlich bekannt, dass Hunde nicht die „Herrschaft“ übernehmen wollen. Nur um dieses Wissen richtig umzusetzen, sind noch ein paar mehr Jahre nötig. Erfreulicherweise wird in diesem Buch über das Belohnungssystem gesprochen. Gutes Benehmen sollte man stets belohnen. Erstaunlich ist auch die Aussage, Hunde würden schnell lernen und bestimmte Wörter mit speziellen Reaktionen und Belohnungen assoziieren. Der Autor gibt gute Tipps, wie ein Hund belohnt werden kann. Er nennt Formen der Belohnung wie Leckerbissen, Körperkontakt oder Spielzeug. Zum Leid des Hundes zeigt Dr. Fogle auch Formen der Bestrafung auf, z. B. Einsatz einer Wasserpistole, Körpereinsatz und Leinenrucken. Er rät, auf aversive Mittel zurückzugreifen. Verhaltensauffälligkeiten wie Schwanzjagen werden mit Gegenmaßnahmen therapiert, anstatt der Ursache auf den Grund zu gehen. Hier wird klar, dass im Jahr 1994 offensichtlich noch nicht so viel oder gar nichts über Stereotypien wie z. B. Schwanzjagen und zwanghaftes Lecken der Pfoten oder Schilddrüsenunterfunktionen bekannt war. Stattdessen wurden Hunde, die o.g. Verhaltensauffälligkeiten zeigten, als schlecht erzogen dargestellt. Diese Stereotypien werden im Kapitel „Überregtheit“ erwähnt.

Tausche Strafe gegen Korrektur

Die Autoren Nicole Hoefs und Petra Führmann tauschen in ihrem Buch „Das Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde“ von 1999 in dem Kapitel über Erziehungsmethoden und Hilfsmittel das Wort Strafe erst einmal durch das Wort Korrektur aus, weil sie es für angemessener halten. Schließlich geht es in der modernen Hundeerziehung darum, durch Korrektur eine Verhaltensänderung zu erreichen. Der Begriff Strafe stamme aus dem 19. Jahrhundert, so Hoefs und Führmann. Sie glauben, dass durch das Austauschen des Wortes Strafe mit dem Wort Korrektur ihre Erziehungstipps moderner wirken.

In dem Buch wird über Verstärkung im falschen Moment geschrieben. Hoefs und Führmann gehen davon aus, dass Zuwendung im falschen Moment zuverlässige Erziehungserfolge unmöglich macht. Außerdem sind sie der Auffassung, dass uns der Hund mit seinem Verhalten manipulieren kann.

Disk-Training und Sprühhalsbänder sind nur unter fachlicher Anleitung zu verwenden, führen sie aus. Leider wird in dem Buch viel zu viel von der Alpha-Dominanz-Geschichte auf die Hundeerziehung abgeleitet.

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Der Aha-Effekt

1997 erschien zum ersten Mal „On Talking with dogs: Calming Signals“ (Ersterscheinung in Englisch in den USA) von Turid Rugaas und Terry Ryan. Es ist eines der schönsten und informativsten Bücher, die ich gelesen habe. Fast wie eine Revolution erscheint es, dieses Buch zu lesen. Da beschreibt Rugaas, was es bedeutet, wenn ein Hund den Kopf abwendet. Mancher Hundebesitzer denkt, dass der Hund ihn ärgern will, nicht hört und einfach wegguckt. Doch dabei handelt es sich um bestimmte körpersprachliche Signale, die sowohl für den Hund selber als auch für sein Gegenüber wichtig sind. Dieses Buch ist wie ein Aha-Effekt, ja genau, jetzt weiß ich warum mein Hund den Kopf abwendet, blinzelt oder sich die Nase leckt, um nur einige der Calming Signals zu nennen. Willkommen in der Welt der Beruhigungs- und Beschwichtigungssignale der Hunde! Hunde sind wahre Konfliktlöser durch Auslösen ihrer Signale. Turid Rugaas eröffnet eine ganz andere Sichtweise auf den Hund und dessen Verhalten in speziellen Hund-Hund- und Hund-Mensch-Begegnungen.

In seinem Buch „Dominanz, Tatsache oder fixe Idee“ aus dem Jahr 2000 räumt Barry Eaton augenzwinkernd mit der Theorie auf, dass der Hund nachts wach liegt und Pläne schmiedet, um die Herrschaft zu übernehmen. Eaten führt aus, dass das Gedankenmodell des dominanten Hundes leider die Grundlage vieler Erziehungsmethoden ist und dringend einer Überarbeitung bedarf. Wissenschaftlich fundiert werden die Mythen des dominaten Hundes widerlegt und für den Leser wird deutlich, dass ein Hund in Harmonie leben möchte und nicht „die Leiter aufsteigen“ möchte.

In „Die Hundegrundschule“ ein Sechs-Wochen-Lernprogramm von Patricia B. McConnell und Aimee M.Moore aus dem Jahr 2006 schreiben die Autoren, dass der Schlüsselfaktor für den richtigen Einsatz von positiver Bestärkung folgender ist: Ihr Hund definiert, was ihn bestärkt – nicht Sie. Ein kluges wissenschaftlich fundiertes Praxisbuch. Hier werden Woche für Woche Tipps gegeben, wie sie Ihren Hund perfekt nach der positiven Bestärkung erziehen. Sie enthalten fundierte Anleitungen bzw. Übungen, die genau erklärt werden. Außerdem erhält der Leser „Haus“aufgaben. Auch gibt es ein schönes Zitat zum Dominanz-Irrtum. „Wenn Hunde nicht das tun, was wir von ihnen verlangen, tun sie das sehr oft aus den gleichen Gründen wie wir selbst, wenn wir nicht die Erwartungen anderer erfüllen: Weil wir verwirrt sind, Angst haben oder motiviert sind, etwas anderes zu tun. Alle Beteiligten werden dann am glücklichsten sein, wenn Sie sich wie eine wohlwollende Führungsperson benehmen, wie ein guter Elternteil oder guter Lehrer und nicht wie ein autoritärer Diktator.“

Imke Niewöhner, Tierärztin und Hundetrainerin, hat im Jahr 2012 ein praxisnahes Acht-Wochen-Grundlagenprogramm für Welpenbesitzer mit dem Titel „Auf ins Leben – Grundschulplan für Welpen“ herausgegeben. Sie weist darauf hin, wie wichtig die Sozialisierungsphase für den frischgebackenen Welpenbesitzer ist. Bis zur 12. Woche dauert die Phase, jedoch ist eine Sozialisation auf unbelebte Dinge (Straßensituationen, flatternde Planen etc.) und mit anderen Tierarten auch noch bis etwa zur 16./18. Woche möglich. Niewöhner stellt die Unterschiede zum Neutralen Lernen (Gewöhnung) und Positiven Lernen in ihrem Buch sehr gut grafisch dar. Sie gibt gute und nachvollziehbare praktische und theoretische Ratschläge, wie wir den Hund dazu bekommen, dass es sich für ihn lohnt, zu uns zu kommen und nicht mit anderen Hunden zu spielen.

Fazit einer sich ständig ändernden Hundeerziehung

In den letzten dreißig Jahren wurden viele Hundeerziehungsbücher von den unterschiedlichsten Autoren geschrieben. Damals gab es noch nicht so viele Weiterbildungs- und Bildungsmöglichkeiten wie heute, z. B. das Tiermedizinstudium mit der Zusatzbezeichnung „Verhaltenstherapie“, die Fernstudiengänge bei der ATN in der Schweiz, das Studium zum Hundepsychologen, die Ausbildung zum Hundetrainer. Heute ist eine Sintflut von Büchern und Lern-DVDs über die Erziehung des Hundes auf dem Markt. In Facebook gibt es unzählige Gruppen, in denen „hilfebedürftige Hundebesitzer“ über die richtige Erziehungsmethode aufgeklärt werden. Zumindest sind sich die, die nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen mit Hunden arbeiten, einig, dass positive Verstärkung die fairste Möglichkeit ist, mit einem Hund zu arbeiten. Wir müssen nicht den Chef raushängen lassen, um mit unserem Hund harmonisch leben zu können. Nein, statttdessen wird er von uns beschützt – wenn es sein muss. Unser Hund ist des Menschen bester Freund, denken wir. Er begleitet uns seit Zehntausenden von Jahren. Trotzdem verstehen Menschen die Hunde nicht bzw. ihnen fehlen grundlegende Kenntnisse, um den Bedürfnissen ihres Hundes gerecht zu werden. Unser Hund möchte Teil unserer Familie sein und auch so behandelt werden. Behandeln Sie ihren Hund immer so wie Sie auch behandelt werden möchten. Ein Hund ist kein Alphatier oder dominant (dominantes Verhalten ist immer zeit- und situationsabhängig und nicht permanent), er möchte nicht die „Leiter aufsteigen“, sondern er sehnt sich nach Harmonie und vermeidet Stress. Denn eines ist klar: Ein Hund will nicht die Weltherrschaft übernehmen und plant nicht das biologisch Unmögliche. Das haben zum Glück immer mehr professionell arbeitende Hundepsychologen und –trainer in der heutigen Hundeerziehung erkannt.

Bettina Küster

Hundepsychologin nTR

Februar 2013

 

Quellangaben:
1981 Pareys Hundebuch (243 Seiten), Leitfaden für zeitgemässe Hundeverhalten von Dr. Ulrich Kober (Fachtierarzt und kynologischer Mitarbeiter der Zeitschrift „Wild und Hund“.
1984 „Unsere Hunde“ aus dem Signum-Medien Verlag München 21. Die Autoren dieses Buches sind Sybille von Lichem/Dr. Heinz von Lichem. Ein Buch (239 Seiten) über Rassen, Haltung und Pflege mit vielen tollen Bildern.
1991 Freude an Hunden von Casper von Poser (100 Seiten)
1991 Wir Hunde von Giorgio Andreoli. Der Autor ist promovierter Biologe. 1984 nahm er an einem Projekt zur Untersuchung der Ökologie und des Verhaltens von Wölfen und wildlebenden Hunden in Italien teil.
1994 Hunde richtig erziehen (127 Seiten)  von Dr. Bruce Fogle, Tierarzt aus England
1997 On Talking Terms with dogs:Calming Signals (Ersterscheinung in Englisch in den USA) von Turid Rugaas und Terry Ryan
1999 Das Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde von Nicole Hoefs und Petra Führmann
2000  Dominanz, Tatsache oder fixe Idee von Barry Eaton
2006 Die Hundegrundschule von Patricia B. McConnell und Aimee M. Moore
2012 Auf ins Leben – Grundschulplan für Welpen von Imke Niewöhner, Tierärztin und Hundetrainerin

 

Mainstream in der Hundeszene

Ein Erziehungstipp nach dem anderen findest du in den sozialen Medien

Wie du deinem Hund beibringst, nicht an der Leine zu ziehen,
Anti-Giftködertraining
Rückruftraining
usw.

Dabei kann man sich aussuchen, ob man sich Erziehungstipps als Film anschaut oder als Artikel durchliest. Wobei der Artikel meist als old school gilt.
Denn wer hip sein  will, schaut sich nur noch  Erziehungsfilme an, die man käuflich erwerben kann.

 

Ich habe vor kurzem beschlossen, meinen Facebook-Account zu deaktivieren, da ich mich gar nicht mehr gegen so viel Mainstream-Videos, Erklär- und Erziehungsfilme retten konnte. Dazu kamen immer noch mehr gesponserte Video- , Erklär- und Erziehungsfilme, Marketing-Tools-Seiten und Gewinn-Spielchen. Dieses ging mir gehörig auf die Nerven, so dass ich beschloss, dem ein Ende zu bereiten. Ich wurde einfach überflutet mit vorgegebenen Videos und wollte das nicht mehr. Denn ich weiß sehr gut, wie ich meinem Hund etwas beibringe. Ich bin sehr gerne auf Facebook unterwegs, doch das hat mich komplett überfordert und tat nicht mehr gut oder hat Spaß gemacht. Außerdem hat es mich unter einen enormen Stress gestellt.
Das ist mir to much busy. Vielleicht bin ich zu altmodisch oder zu alt dafür. Aber wenn ich mir meinen Kundenkreis so anschaue, kommen die allerwenigsten Kunden über Soziale Netzwerke, sondern über Mundpropaganda oder über meine Website.

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Aber  Mainstream – was ist das überhaupt?
Die englische Übersetzung bedeutet Hauptstrom und meint so etwas wie Massengeschmack. Ab wann ist man denn eigentlich mainstream? Nun ja, wenn man als Person nur noch dem Massenstrom folgt und keine eigene Meinung hat.
In der heutigen Zeit gefällt es den Menschen und Hundehaltern wohl, sich alles sagen oder vorführen zu lassen, ohne selbst etwas auszuprobieren.
Das fängt an bei der Kleidung, Ernährung, Wohnungseinrichtung, Urlaubstipps und endet bei Erziehungstipps für Hunde.
Klar gibt´s immer Leute, die es übertreiben und ich frage mich wie viel Zeit dort investiert wird, die man nicht bezahlt bekommt. Warum rege ich mich darüber auf? Habe ich keine anderen Probleme? Nein, alles okay. Ich freue mich für die, die das alles gebrauchen können und ich freue mich über die gewaltfreie Arbeit mit Hunden in diesen Video-  Erklär- und Erziehungsfilmen, denn das ist das einzige Gute was ich diesem Mainstream abgewinnen kann.

Bettina Küster
Hundepsychologin nTR
http://www.gute-laune-dogs.de

 

Gleicht das Hundehirn einem Spamordner, das nach 30 Tagen alles löscht, was unwichtig ist?

Forscher haben heraus gefunden, dass Hunde ein episodisches Gedächtnis haben und sich an Dinge erinnern, die eigentlich keine Bedeutung für sie haben. Für mich eigentlich sehr klar. Ich wurde des öfteren gefragt, ob Hunde einen Menschen auch wieder erkennen, wenn sie diesen Jahre nicht gesehen hätten, z. B. einen Freund der Familie oder einen Nachbarn. Meine Antwort ganz klar: Ja. Warum sollte ein Hund diesen Menschen nicht wiedererkennen, auch wenn er keine Bedeutung für ihn hat? Das Gehirn eines Hundes hat ja keine automatische Löschfunktion wie ein Spamordner im E-Mail-Fach. Deshalb wird er diesen Menschen auf jeden Fall wieder erkennen, alleine schon anhand des Geruchs. Als wir einen Freund lange Jahre nicht gesehen hatten und ihn irgendwann wieder trafen, freute sich Sinead, unser damaliger Hund, als hätte sie ihn gestern das letzte Mal gesehen.
Es gibt natürlich auch die andere Variante, und zwar die der schlechten Erinnerungen:
Vor Jahren erzählt mir eine Kundin, die einen Jagdhund vom Jäger übernommen hatte, der nicht zur Jagd geeignet war, dass dieser Jäger nach Monaten zu Besuch kam. Als der Jagdhund nur das Auto des Jägers vor der Haustür hörte, versteckte er sich in der letzten Ecke im Garten und zitterte vor Angst. Also offensichtlich ein sehr gut funktionierendes Gedächtnis, wo schon alleine das Motorengeräusch des Autos negative Erinnerungen und die dementsprechenden Verhaltensweisen in dem Hund hervorriefen. Während des Besuch des Jägers, war es den neuen Besitzern nicht möglich, den Hund aus der „hinterletzten“ Ecke des Gartens hervorzuholen. Erst lange Zeit nachdem der Jäger weg war, kam der Hund wieder hervor. Er wollte einfach sicher sein, dass er in Sicherheit ist. Ein sehr gutes Beispiel für ein gut funktionierendes Hundegedächtnis. Emma beobachtet Bienen auf der Frühlingswiese

Bettina Küster

Hundepsychologin nTR

Trainerin für Diabetikerwarnhunde und (Akustik)Signalhunde

http://www.gute-laune-dogs.de

Assessment für Hunde nBK© – Wichtige Links zum Beobachtungstraining: „Ich sehe was, was du nicht siehst.“

Liebe Assessment-Interessierte,

anbei habe ich die wichtigsten Links zusammengestellt.
Das nächste Assessment für Hunde nBK© findet am Samstag, den 11.November ab
10 Uhr statt.

Ausschreibung Assessment für Hunde nBK© am Samstag, den 11. November

Radiointerview zum Assessment für Hunde nach Bettina Küster © bei Karin Immler in der Hunderunde auf der Radiofabrik Salzburg

Das Assessment für Hunde nBK © ist keine Wissenschaft oder Fallstudie

1. Erkenntnisse zum Assessment für Hunde

Gute-Laune-dogs-Beobachtungstraining - Ich sehe was, was du nicht siehst

Das Assessment für Hunde nach Bettina Küster ist keine Wissenschaft oder Fallstudie

Viele Menschen fragen sich, was Assessment für Hunde nBK © ist.

Assessment für Hunde nBK © ist kein wissenschaftliches Projekt oder eine Fallstudie.

Gehirn

Zuvor möchte ich noch etwas Lustiges zur Wissenschaft schreiben:

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Logbuch eines Wissenschaftlers.

Ein Wissenschaftler untersucht einen Floh, Zusammenhänge seines Lebens, seines Wohlbefindens.

Logbucheintrag Tag1:
Dem Floh ein Sprungbein ausgerissen,
Befehl ausgesprochen: „Floh, spring!“
Floh ist gesprungen.

Logbucheintrag Tag2:
Dem Floh das zweite Sprungbein ausgerissen,
Befehl gegeben: „Floh, spring!“ Der Floh sprang aber nicht.

Erkenntnis: Wenn dem Floh beide Sprungbeine ausgerissen werden, verschlechtert es sein Gehör.
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Wissenschaftliche Arbeiten bzw. Fallstudien wollen meist etwas beweisen. Mit dem Assessment für Hunde nBK© soll nichts bewiesen werden, sondern es geht um den individuellen Einzelfall.
Zum Glück gibt es genügend wissenschaftliche Studien über Hunde, die geschulte Menschen durchführen und nichts anderes machen als Hunde zu erforschen, einschließlich der Nebenarbeiten, die dazu gehören.
Beim Assessment für Hunde nBK © geht es nicht um eine Feldforschung oder Forschung, bei der Spiel, Neugierde und Futtermotivation der Haushunde erfasst werden. Im Gegensatz zur Wissenschaft, arbeite ich einzelfallbezogen. In der Wissenschaft lösen mehrer Hunde dieselbe Aufgabe. Beim Assessment für Hunde nBK© lösen zwar auch mehrere Hunde dieselbe Aufgabe,  diese wird dann nach den Grundsätzen der Verhaltensbeobachtung der Potenzialanalyse individuell ausgewertet und nach bestimmten Beurteilungskriterien bewertet. Ein Fähigkeitsprofil wird erstellt, anhand dessen werden die Endergebnisse vorgestellt, bzw. den Haltern die Auswertungspunktzahl der erreichten Punkte in dem jeweiligen beobachteten Merkmal schriftlich mitgeteilt.

Anhand eines Beobachtungsprofils werden unterschiedliche Merkmale wie z. B.

  • kognitive Merkmale
  • psychosoziale Merkmale
  • Art der Ausführung

durch verschiedener Übungen und Aufgaben beobachtet.

Beispiel: Im beobachteten Merkmal „Art der Ausführung“ im Unterpunkt Antrieb und im beobachteten Merkmal „Psychosoziale Merkmale“ im Unterpunkt Empathie- und Einfühlungsvermögen wurde bei dem 2-jährigen Hund deutlich, dass er beim 2. Durchlauf der Übungen, als die Halterin anwesend war, die Übung mit mehr Antrieb und Freude ausführte als im 1. Durchlauf als die Halterin nicht im Raum anwesend war. Zu diesen Beobachtungen kann ich der Halterin dann entsprechend des Verhalten des Hundes Tipps und Ratschläge geben. Sie erhält außerdem ein schriftliches Auswertungsergebnis der beobachteten Merkmale.

Ziel des Assessment für Hunde nBK © ist es einen Einblick in die individuellen Denk-, Lern- und Problemlösungsstrategien, die das Verhalten Ihres Hundes beeinflussen, zu erhalten. Dem Halter Tipps für ein harmonisches Zusammenleben und für die Förderung der Fähigkeiten des Hundes zu geben. Wenn Sie Ihren Hund entsprechend seiner Fähikgeiten und Neigungen fördern, ist er glücklich und zufrieden. Sie haben zusammen Spass und lernen Neues dazu, dadurch kann sich die Beziehung zu Ihrem Hund verbessern.

Wenn Sie also Interesse an einer individuellen schriftlichen und natürlich auch mündlichen Auswertung der beobachteten Merkmale Ihres Hundes haben wollen, dann ist Assessment für Hunde nBK© für Sie und Ihren Hund genau das Richtige.

Am 11. November startet das 2. Assessement für Hunde © in Deutschland. Sichern Sie sich jetzt schon Ihren Platz.

Neuer Termin für das Assessment für Hunde nBK©  

Lesen Sie hier über die Entstehung von Assessment für Hunde nBK©

Ich freue mich auf Sie und Ihren Hund.

Bettina Küster

Hundepsychologin nTR
Trainerin für Diabetikerwarnhunde