Nur ein Versehen oder das Fernsehen?

Gastbeitrag von Carolin Reger

Ein freundlicher Tag Anfang Februar um die Mittagszeit. Ideal für einen Spaziergang, denn um diese Zeit ist in der Regel nichts los. Drei meiner Hunde haben Handicaps und fühlen sich zur „Hunde-Rush-Hour“ nicht wohl. So ziehen wir los, durch den Wald, dann auf das offene Feld. Hier gibt es immer viel zu schnüffeln.

Doch wir sind nicht allein. Mitten auf dem Feld toben vier andere Hunde. Einer rast mit einer Frisbee-Scheibe im Fang umher, ein anderer reitet auf – offensichtlich ein aktionsreicher Ausflug. Kann ich es wagen weiterzugehen?

Soviel Power, Tempo und Adrenalin ist nichts für meine vier: Yala, fast 12, hat nach einer Knie-OP noch immer leichte Probleme, Aqui, 7, hat beidseitige HD, litt vorübergehend unter Epilepsie und ist generell sehr stresssensibel. Und Galga Lillifee, ebenfalls 7, hat es nach einer traurigen Vergangenheit in vielen kleinen Schritten erst lernen müssen, zu Hund und Mensch Vertrauen aufzubauen. Und so liebt sie ruhige Begegnungen, die sie nicht überfordern und denen sie dann angstfrei gewachsen ist. Und tatsächlich gilt das auch für die kleine Coco. Sie ist 5 Jahre alt, gesund, und trotzdem – sie liebt es höflich von Hund zu Hund, also eine ruhige Annäherung, die Zeit gibt für zuvorige Kommunikationssignale.

Coco – Aqui – Yala – Lilli

Ich leine Lilli der Sicherheit halber an. Die Hundebesitzer haben sich in meine Gegenrichtung in Bewegung gesetzt und so setze ich meinen Weg fort. Der Abstand erscheint groß genug (ca. 100 Meter) und meine Hunde in meiner unmittelbaren Nähe gehe ich ruhig weiter. Plötzlich Stopp. Aqui ist zuerst stehen geblieben – ich schaue nach dem Grund:

Zwei der Hunde rasen auf uns zu. Wie gut, dass Lilli angeleint ist, denn schon will sie flüchten. Ich blicke übers Feld zu den Menschen – ein Pfeifen-Pfiff ertönt. Doch dieser verändert das Verhalten der Hunde nicht. Nicht beim ersten, nicht beim zweiten, und auch nicht beim 3., 4., 5. Mal (und erneut lernen sie gerade, dass sie den Pfiff ignorieren können) … Yala versucht inzwischen, die beiden Fremden bellend abzusplitten, Aqui zeigt Stresssymptome, Coco gelingt es, sich der Situation zu entziehen. Weitergehen ist nicht möglich, denn meine Hunde wollen – verständlicherweise – nicht diese beiden Fremden im Nacken haben, sie lieber im Auge behalten. Kommt denn nun endlich einer der Menschen, um die Hunde abzuholen? Weit gefehlt. Im Gegenteil. Fassungslos muss ich zusehen, wie die Gruppe nach dem Xten Pfiff einfach weitergeht, bis sie außer Sicht ist. Für meinen Geschmack ist das absolut rücksichtslos. Zugegeben: nach den ersten Minuten entspannt sich die Lage, meine Hunde haben erkannt, dass ihnen keine Gefahr droht – doch sie sind körperlich mit den vitalen Besuchern überfordert.

War das nur ein Versehen? Wohl kaum, die Menschen hatten sich ja in Bewegung gesetzt, als ich mit meinen Hunden auftauchte. Ich fand das sehr nett, denn da Lilli angeleint war, nahm ich an, dass sie das als Signal verstanden hätten. Doch dann war ich plötzlich minutenlang allein – mit 6 statt 4 Hunden.

Zurück zum Titel: Ich denke, dies ist kein Einzelfall und auch kein Versehen – sondern das Fernsehen! Mir fällt auf dem Rückweg eine Sendung ein, die Ähnliches als Trainingstipp zum Besten gab: Ihr Hund kommt nicht? Stattdessen mischt er lieber eine Hundegruppe auf? Also dann schnell aufs Fahrrad, in die Pedale was das Zeug hält und außer Sicht gelangen, am Besten sogar verstecken! Dann kommt der Hund schon … Das erscheint mir nun wie das perfekte Abbild des Erlebten.

Das Fernsehen. Einschaltquoten. Geld. Publicity. – Auf Kosten unserer oder anderer Hunde? Leider ja, wie die obigen Beispiele zeigen.

In einer anderen Sendung (ich habe nur drei gesehen, um entspannt zu bleiben) war ein Zuhause mit bodentiefen, fast die gesamte Zimmerbreite einnehmenden Fenstern zum Garten vorgestellt. Ein schöner Garten. Das fanden auch diverse Katzen, die sich hier gern aufhielten und regelmäßig die Fensterfront entlang parlierten. Dass dabei ruhig zu bleiben insbesondere für Jagdhunde eine Herausforderung sein kann, kann man sich denken. Vor allem, wenn dieser Jagdhund aus dem Tierschutz kommt und ein ruhiges Zusammenleben mit Katzen nie kennen gelernt hat. Und so war es wohl auch. Bellen, Aufregung, am Fenster entlang rasen. Zu sehen war dann der gezielte Wurf eines nagel- oder krampenähnlichen Metallteils. Dann war Ruhe. – Eine beeindruckende Lösung?

Sicherlich wurde auch dieser „Tipp“ von vielen angenommen und umgesetzt. Doch das Medium Fernsehen ist tückisch: Wie viel Metall ist denn tatsächlich geworfen worden? Wie lange wurde gedreht? Wie viele Wiederholungen gab es? Wie viele Schnitte und Manipulationen? Wie lange dauerte es tatsächlich, bis der Hund (ein Podenco) beim Anblick der Katzen zumindest äußerlich ruhig blieb? Wir wissen es nicht. Und erfahren es nicht. Das Fernsehen zeigt ausgewählte Bilder, nicht die ganze Wahrheit. Und so ist der Zuschauer gefordert, Gesehenes zu hinterfragen.

Hunde sind bei allen Gemeinsamkeiten doch so unterschiedlich. Wie unterschiedlich die Rassen, die Veranlagungen, die Lebenserfahrungen, der Gesundheitszustand, … Das Fernsehen kann keine individuellen Lösungen anbieten, doch diese sind wichtig. Für jeden Hund. Und Lösungen sollten hundefreundlich sein, wenn sie im Fernsehen gezeigt werden, finde ich. Dem eigenen Hund davon zu laufen, erzeugt Stress in ihm. Ihn mit anderen Hunden allein zu lassen, ist rücksichtslos. Schütteldosen, Würfe mit Metallgegenständen, der Einsatz von Wasserpistolen erzeugen Angst und sind äußerst unangenehm. Zudem können andere als die erwünschten Folgen eintreten!

Ich persönlich lasse meine Hunde nicht mit anderen Hundebesitzern und diese nicht mit meinen Hunden allein. Es liegt in meiner Verantwortung, das Interesse sowohl meiner als auch anderer Hunde und selbstverständlich das Interesse all derjenigen, die bei ihren Freizeitaktivitäten keinen unkontrollierten Hund treffen möchten, zu wahren. Und das ist ja auch nicht schwer, wenn man seinen Hund gut kennt und bereit ist, das Ansehen unserer Hunde in der Gesellschaft positiv zu beeinflussen.

Bringen Sie Ihrem Hund ein Aufmerksamkeitssignal bei. – So können Jogger, Radfahrer, ängstliche Hunde etc. ungestört vorbei gehen.

Und zum Thema Fenster und Katzen? Wir müssen keine Hunde haben. Doch entscheiden wir uns, einem Vierbeiner ein Zuhause zu geben, sollten wir da nicht vorab überlegen, welche Rasse, welches Alter, welches Wesen etc. ein Hund, der in unser Zuhause passt, haben sollte? Und wenn ich bei dieser Entscheidung Fehler gemacht habe, dann den Hund dafür bestrafen? – Ich hätte in diesem Fall z. B. eine Gardine bis auf Sichthöhe des Hundes angebracht.

Lösungen können kreativ und so einfach sein – aus Liebe zum Hund, und im Bewusstsein der Verantwortung, die wir für unsere Mitlebewesen haben. Wir sind gefragt, nicht das Fernsehen!

PS: Yala erlitt ihren Kreuzbandriss, als ein fremder Hund, der über eine Entfernung von 50 Metern Tempo aufgenommen hatte, sie ohne abzubremsen über den Haufen lief. Sie hatte sich splittend vor Lilli gestellt. Der Halter hatte tatenlos zugesehen und wollte sogar einfach weitergehen.

Infos zu Carolin Reger unter http://www.nasenreich.de

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Wandern im Grenzgebiet – Wir lieben Holland

Die letzte Wanderung ist schon etwas länger her. Da Emma mit ihrer eingeschränkten Beweglichkeit der rechten Vorderpfote (Durchtritt und Karpale Luxation) nicht mehr so belastbar ist, suche ich nun Wanderwege, die auch Emma laufen kann. Dazu haben wir uns für eine 5 km-Wanderung in der Region Arcen auf der Schandelose Heide entschieden, ca. 35 km von Neukirchen-Vluyn entfernt.

Am besten parkt ihr auf dem auf dem Staelseweg in Velden parken. Als Anhaltspunkt fürs Navi ist diese Gaststätte geeignet. Der Einstieg zur Schandelose Heide befindet sich links von der Gaststätte.
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Als erstes seht ihr einen geradegezogenen langen Weg. Alle Wege in Holland sind meistens für Wanderer, Fahrradfahrer und Reiter gleichermaßen erlaubt. Als Orientierung nehmt die abgeschrägten blauen Pfähle, um den Rundkurs von 5 KM zu wandern.

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Im Moment siehts noch nicht ganz so schön aus, da die Bäume noch keine Blätter haben und alles ziemlich matschig ist.
Doch wird man schon bald mit diesen schönen Bildern von einer Heide- und Moorlandschaft belohnt.

 

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Überall sind Seen und kleine Tümpelchen eine Oase für Frösche und Co.

Auch Vogelliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Ein paar Wildgänse die uns genauso beobachteten wie wir sie.

Auf dieser Wanderroute befindet sich keine Gastronomie, so dass die Verpflegung selbst mitgebracht werden sollte. Emma blieb an der Schleppleine, obwohl wir mehrere Hunde gesehen haben, die frei liefen. Ich habe sie gerne bei mir an der Schleppleine, wenn wir in einem fremden Gebiet sind.

Ich wünsche viel Spass beim Nachwandern.

Bettina Küster

 

 

Job und Hund – alles unter einem Hut

Seit 2010 ist die Anzahl der Hunde in Deutschland über die Jahre zwar stetig leicht gesunken, jedoch zählten die Hunde mit rund 11,6 Millionen Hunden in deutschen Haushalten immer noch zu den zweitbeliebtesten Haustieren nach Katzen (Quelle: http//statistica.com). Die meisten Hundehalter sind berufstätig und hetzen sich von der Arbeit nach Hause, um zu ihrem Hund zu kommen. Sie haben ein schlechtes Gewissen, ihm nicht gerecht zu werden. Denn sie wissen, mein Hund sitzt Zuhause und wartet auf mich, oder muss in der HuTa oder beim Hundesitter abgeholt werden.
Ohne Arbeit ist es kaum möglich ist, sich einen Hund zu leisten. Arbeitslose Menschen können sich oft keinen Hund leisten, da sie die Kosten, wie Tierarztkosten, Steuern, Versicherung und Futter nicht bezahlen können.

Die wenigsten Hundehalter können ihren Hund mit zur Arbeit nehmen. Doch wie kann ich meinem Hund trotzdem gerecht werden, wenn ich arbeiten gehe? Wie kann ich das alles managen, ohne ständig ein schlechtes Gewissen zu haben und zu denken, dem Hund geht’s nicht gut; er ist zu lange alleine?
Eins ist klar, Hunde leben im Hier und Jetzt und sie sind uns keinesfalls böse, oder nachtragend, wenn wir mal 10 Minuten später von der Arbeit kommen.
Der Hund beherrscht die Anpassung an seine Umgebung und den Menschen perfekt. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Hund für acht Stunden alleine bleiben kann. Nein, genau da muss ich als Halter die Verantwortung tragen und dafür sorgen, dass ich einen Hundesitter beauftrage. Dieser sollte sich täglich mindestens 1-2 Stunden um den Hund kümmern. Eine andere Alternative ist eine Hundetagesstätte, in der der Hund bleiben kann, solange sie arbeiten. Eine Möglichkeit ist es, den Arbeitgeber nach einer Teilzeitbeschäftigung zu fragen.

Vorstellung berufe
Wenn der Hund nicht mehr mit zur Arbeit darf – was dann?
Als ich noch als vollzeitbeschäftigte Angestellte arbeitete, durfte ich meinen Hund jeden Tag mit zur Arbeit bringen. Das war für mich praktisch und der Hund war nicht allein zu Hause. Bevor ich mir jedoch Sinead, so hieß der Hund, angeschafft hatte, sicherte ich mich bei meinem damaligen Arbeitgeber ab, sie mitnehmen zu dürfen.  Ich hatte kein schlechtes Gewissen, da Sinead immer an meiner Seite war. Eines Tages kam eine neue Mitarbeiterin ins Team, die mit mir zusammen im Büro gesessen hat. Sie hatte Angst vor Hunden.  Ich wurde gebeten, den Hund nicht mehr mitzubringen. Ich reduzierte meine wöchentlichen Arbeitsstunden; mein Hund blieb Zuhause. Letzen Endes war es eine sehr gute Entscheidung. Ich hatte mehr Freizeit und mein Hund war auch entspannter, da sie nun ihre absolute Ruhe Zuhause hatte und nicht mehr ständig vom Büroalltag gestört wurde.

Wenn Hunde nicht zur Ruhe kommen, weil sie ständig Termine haben oder gestört werden?
Geht der Hund mit ins Büro, sollte gewährleistet sein, dass er genügend Schlaf- und Ruhephasen hat. Erwachsene Hunde chillen und schlafen zwischen 14-18 Stunden am Tag. Kranke, alte und junge Hunde noch viel mehr. Unseren Hunden ist das Ruhebedürfnis angeboren. Die meisten Hunde wurden dazu gezüchtet, für ihre Helicopterbesitzer immer dann einsatzbereit zu sein, wann immer der Halter es verlangt. So jagt eine „Sportart“ die andere im Stundenplan: montags Agility, dienstags Dogdance, mittwochs Trickschule, donnerstags frei, freitags Mantrailing und samstags Obidience, sonntags frei. Mit dieser Einsatztätigkeit des Hundes rauben wir ihm sein nötiges Ruhe- und Schlafbedürfnis. Schlafmangel lässt den Stress- und Cortisolspiegel des Hundes steigen. Der Cortisolspiegel beim Hund baut sich wesentlich langsamer ab, als beim Menschen. Wenn Menschen zu wenig geschlafen haben, legen sie sich hin und halten ein Nickerchen. Beim Hund ist das so nicht möglich. Er benötigt wesentlich länger, um „entstresst“ zu werden und um diesen Mangel auszugleichen. Leidet der Hund nun jeden Tag an Schlafmangel, kommt es unweigerlich zu Verhaltensauffälligkeiten, wie z. B. Aggressionen.
Bei einer Untersuchung zum Schlafentzug von Hunden wurde folgendes festgestellt: Im ersten Stadium des Schlafentzugs wurden die Hunde überdreht. Im Zweiten unkonzentriert, grobmotorisch und fahrig. Im Dritten nervös und schnell reizbar. Im Vierten aggressiv und kränklich. Im fünften Stadium erkrankten sie schwer und / oder chronisch.
Alleine bleiben muss der Hund lernen

 

Hunde schaffen es für 4-5 Stunden problemlos alleine zu bleiben. Allerdings sollte das Alleine bleiben sukzessive aufgebaut werden. Lassen Sie Ihren Hund nicht direkt von Anfang an mehrere Stunden alleine. So etwas muss geplant und trainiert werden. Das bedeutet, dass durchaus ein Jahresurlaub bei der Anschaffung eines Hundes für die Eingewöhnung berücksichtigt werden muss. Hiermit meine ich aber nur das normale  Eingewöhnen, wie Tagesablauf und Rituale festlegen und kennenlernen. Die Gewöhnung an das Alleine sein für 4-5 Stunden am Tag kann natürlich nicht in 2-3 Wochen erlernt werden.

Alles eine Frage der Organisation – wenig ist mehr!

Die Halter deren Hunde in der Hundetagesstätte abgeholt werden, brauchen jetzt keine Mammutspaziergänge mehr mit ihrem Hund zu machen. Der Hund ist vom Tag in der HuTa ziemlich müde und ist froh bei seinem Halter zu sein. Eine kleine Entspannungsrunde für den Hund zum Schnüffeln wäre jetzt ideal, um vom Tag „runterzukommen“. Zuhause angekommen bekommt der Hund Futter und Streicheleinheiten und benötigt jetzt Schlaf, um das Erlebte zu verarbeiten.

Die Hunde, die vom Hundesitter betreut werden, hatten auch schon ein oder mehrere Erlebnisse hinter sich und sind froh, dass der Hundehalter Zuhause ist. Am Nachmittag noch eine Hunderunde zu drehen, um selber abzuschalten ist jetzt genau das Richtige für Hund und Halter. Leckerliesuchspiele können den Spaziergang noch etwas aufpeppen,  bevor der Hund Zuhause gefüttert und der Feierabend eingeleutet wird.

Teilzeitbeschäftigte können entspannt Nachhause kommen. Es kann ein ganz normaler Spaziergang stattfinden, wo Hund und Halter zusammen die Landschaft erkunden.
Je nach Lust und Laune des Hundes können Apportier- und Suchspiele mit eingebaut werden.

Zum Schluss noch meine Meinung zu Bürohunden: Im Moment ist das Thema in aller Munde. Natürlich ist es schön, wenn der Hund überall dabei sein kann. Doch vor dem Hintergrund, dass Hunde sich nicht gerne von jedem anfassen lassen möchten und ein sehr hohes Ruhe- und Schlafbedürfnis haben, bin ich keinesfalls eine Verfechterin, den Hund jeden Tag mit in das Büro zu nehmen, auch wenn das möglich wäre. Ein Vorschlag: Den Hund für einen oder zwei Tage mitzunehmen und für den Rest der Woche eine andere Lösung anzuvisieren, wie z. B. einen Hundesitter oder eine Hundetagesstätte.
Bettina Küster
Hundepsychologin nTR

Hier gehts zu meiner Gute-Laune-Dogs-Akademie; in Kürze halte ich mein 1. Webinar zum Thema ABC für Hundehalter.

üBER EINEN PFOTENABDRUCK AUF MEINER FACEBOOKSEITE FREUE ICH MICH

Eine andere Perspektive auf die Mensch-Tier-Bindung

VON

BETTINA KÜSTER

Mit einem Haustier zu leben kann uns viel über erfolgreiche Kommunikation und Empathie lehren.

Was bedeutet Empathie überhaupt?

Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, den emotionalen Zustand eines anderen Empfindungsfähigen zu erkennen und zu teilen. Wir Menschen sind in der Lage unsere Emotionen durch Sprache auszudrücken. Tiere können ihre Emotionen nicht durch Sprache, sondern durch Körperhaltung, Laute, Gestik, Mimik sowie chemische Signale wie Gerüche und Pheromone ausdrücken.  Während die Kommunikation zwischen Individuen verschiedener Spezies wahrscheinlich schwierig sein wird, ist es unter Individuen gleicher Art aufgrund des gemeinsamen genetischen und ökologischen Hintergrunds normalerweise einfach.

Kommunikationsprobleme auch bei Menschen

Aber auch zwischen Menschen können Kommunikationsprobleme entstehen. Jeder, der in einem  fremden Land Urlaub gemacht hat kennt das;  die Missverständnisse und Frustrationen, die dadurch entstanden sind, dass man nicht dieselbe Sprache spricht und nicht verstanden wurde. Dabei vergessen wir, dass Menschen, die eine andere Sprache sprechen, in einer anderen kulturellen Umgebung leben und akzeptieren Dinge nicht, die für diese Menschen normal sind. Diese Schwierigkeit in der Kommunikation, ist das was unsere Haustiere jeden Tag mit uns erleben. Haustiere und Menschen haben sehr unterschiedliche Sprachen und Wahrnehmungen der Umwelt.

Sprachen haben sich entwickelt, um die Kommunikation zwischen Individuen derselben Spezies zu fördern, die in einer bestimmten Umgebung leben. Was für die eine Art nützlich und sicher sein kann, kann nutzlos und bedrohlich für eine andere Art sein. Das gilt für Menschen, Hunde, Katzen und alle anderen Tiere. Die Domestikation des Hundes hat seine kommunikativen Fähigkeiten mit Menschen stark verbesssert; Hunde können menschliche verbale und Körpersignale vielleicht besser als jede andere Spezies verstehen. Der Hund ist in der Lage den emotionalen Zustand des Besitzers aus seinem Tonfall heraus zu verstehen und er wird nach einem Objekt greifen, auf das der Besitzer mit dem Finger zeigt.

Menschen, Hunde und Katzen

Menschen, Hunde und Katzen sind jedoch Spezies mit enorm unterschiedlichen kommunikativen Fähigkeiten. Ihre jeweiligen Sprachen haben sich in erster Linie für die Kommunikation innerhalb ihrer eigenen Spezies in ihrer typischen Umgebung entwickelt und dann teilweise an ein gemeinsames Leben angepasst. Katzen haben den größten Teil ihres evolutionären Lebens in einer Umgebung verbracht, in der sie keine Ressourcen teilen (es gibt nicht viel zu teilen, wenn die Beute eine kleine Maus ist!). Als Katzen anfingen, mit Menschen zusammen zu leben, tolerierten sie die Nähe des Menschen, weil sie sich dann weniger bedroht fühlten. Ihre kommunikativen Fähigkeiten waren jedoch relativ „arm“, da sie den größten Teil ihres evolutionären Lebens in Einsamkeit verbracht hatten. Das gilt auch nach wie vor noch für unsere schnurrende Hauskatze, die sich von uns 10 Minuten streicheln lässt und gemütlich neben uns auf der Couch liegt und wenn wir nicht auf die Körpersprache der Katze achten, könnte es sein, dass sie sich plötzlich umdreht und in unsere Hand beißt, um zu sagen: „Hör auf!“ Der Mensch liebt es, Hunde und Katzen  lange zu streicheln, zu umarmen und zu küssen, denn enger Körperkontakt ist eine weit verbreitete Art des Menschen, Zuneigung auszudrücken.

Evolution der Hunde

Sicher ist die Geschichte der Hundeevolution anders, denn Hunde waren schon immer soziale Tiere, die ihr Territorium und ihre Ressourcen teilen. Sie entwickelten anspruchsvolle kommunikative Fähigkeiten, die teilweise an das Leben der Menschen angepasst sind, und sie nutzen enge körperliche Interaktionen mit Artgenossen und Menschen. Aber genießen unsere Hunde die Überschwenglichkeit, die manche Menschen zeigen, wenn sie mit einem fremden Hund interagieren?
Um diese Fragen zu beantworten, beobachten wir zusammen, was die meisten Hunde tun würden, um einen anderen Menschen oder einen anderen Hund zu begrüßen.  Der Hund nähert sich einer unbekannten Person mit Vorsicht, während sein Schwanz wackelt und er ihn vorsichtig beschnüffelt, um Gerüche und Pheromone wahrzunehmen, die wichtige Informationen über den Mensch enthalten. Erst danach entscheidet der Hund den nächsten Schritt. Der wedelnde Schwanz signalisiert nicht nur Freude; er sagt nur, dass der Hund in einer sozialen Interaktion involviert ist. Wenn wir nun wissen wollen, was der Hund denkt, müssen wir uns den Rest des Körpers anschauen. Wenn er sich verbeugt, könnte er eine spielerische Interaktion beginnen. Wenn seine Ohren nach hinten gerichtet sind und seine Zunge wiederholt Nase und Lippen leckt, dann benötigt der Hund etwas mehr Zeit, bevor er sich einer engeren Interaktion nähert.  Es gibt zig verschiedene Verhaltensweisen, die ein Hund unter ähnlichen Umständen zeigen kann, und jede von ihnen hat eine andere Botschaft. Leider achten wir nicht immer auf diese Botschaften. Und wenn ein Hund kein aggressives Verhalten zeigt, gehen wir davon aus, dass es ihm gut geht. Also bewegen wir uns zu schnell vorwärts und beginnen eine enge körperliche Interaktion und der Hund fühlt sich bedroht.

Zuneigung angemessen kommunizieren

Die meisten befreundeten Menschen begrüßen sich mit Umarmen und Küssen. Doch nicht jedem Mensch behagt diese Begrüßung. Man sollte also bei der Begrüßung auf sein Gegenüber achten und die Menschen weniger überschwenglich begrüßen und das Verhalten der Menschen beobachten, um zu verstehen, wie man „Zuneigung“ angemessen kommunizieren kann. Das sollten wir auch mit unseren Haustieren tun:

  • Erkenne das arttypische Verhalten
  • Erkenne das Verhalten des einzelnen Individuum, um seine Botschaften zu verstehen
  • Reagiere angemessen, entprechend dem Standpunkt des Tiers

Dies ist eine großartige Übung, um unsere Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und Empathie gegenüber jenen Spezies, Kulturen und Individuen zu fördern, die die Welt auf andere Weise sehen. Wir sollten uns bemühen, die Gefühle zu verstehen und zu respektieren.  Beginnen wir mit den Menschen und Tieren, die bei uns leben!

 

Bettina Küster

Hundepsychologin nTR

 

Wünsche für das Jahr 2018

26116148_10208309190806126_4033398687723413669_oIch wünsche allen Facebookfreunden und meinen Mitlesern auf meiner Gute-Laune-Dogs-Facebookseite alles Liebe und Gute im Neuen Jahr.

Den Menschen wünsche ich viel Empathie für ihre Hunde und dass sie versuchen, diese zu verstehen und sich evtl. in sie reinzuversetzen, auch wenn es manchen Menschen schwerfällt. Hunde sind so bezaubernde Wesen. Sie verstehen uns eigentlich immer. Sie bringen uns zum Lachen, Weinen, Ausruhen, Entspannen, und zum Bewegen…usw..

Den Hunden wünsche ich Menschen, die sie verstehen und ein artgerechtes Leben in unserer manchmal hektischen Zeit. Hunde haben immer Zeit für uns.

In diesem Sinne, passt gut auf Eure vierbeinigen Freunde auf. Denkt daran, Ihr seid die Einzigen, die sie haben.

Liebe Grüße

Bettina mit Emma

Hunde sind bessere Menschen

Hunde leben im Hier und Jetzt. Wir denken komplizierter als Hunde. Unsere Vorstellung von unserer Wichtigkeit, kann zu Problemen führen. Tagtäglich bekommen wir durch die Medien vorgegaukelt, was wir alles an materiellen Dingen benötigen. Das Wenigste davon ist überlebenswichtig. Trotzdem müssen wir müssen uns immer anpassen; diese Eigenschaft der Anpassung beherrscht der Hund perfekt. Er passt sich seiner Umgebung und seinen Menschen an. Der Hund öffnet uns die Augen für unsere angebliche Wichtigkeit und unser Ego zu schmälern.
Seit dem ich mit Hunden zusammen lebe, ist mir die „Notwendigkeit“ von materiellen Gütern unwichtig geworden.

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Die wichtigsten Dinge im Leben eines Hundes

Hunde interessieren nur Dinge, die wirklich notwendig sind. Sie urteilen nicht über andere Hunde oder Menschen. Ihnen ist es egal ob man dick, dünn, reich oder arm ist. Sie lieben uns unerschütterlich für das was (ein Mensch) wir sind, nicht für das wer wir sind.
Doch der Mensch strebt nach einem guten Job, ein gutes Gehalt, ein Haus, ein Pool, einen attraktiven Partner, Reisen, erfolgreich zu sein und renomiert und gelobt zu werden. Wir bekommen ein Problem, wenn diese Bedürfnisse nicht befriedigt werden und fühlen uns minderwertig. Hunde interessiert es nicht, dass der Nachbarhund ein teueres Körbchen hat als er oder mit dem „besseren“ Hundefutter gefüttert wird.

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Öffne dich und sei du selbst

Sei so wie du bist, mit allen Ecken und Kanten. Das ist besser als es allen Recht zu machen und mit einer Maske herum zu rennen.
Kleide dich wie du möchtest, egal welche Figur du hast.  Hunde schämen sich auch nicht, wenn sie zu dick oder zu dünn sind oder urteilen gar über ihre Artgenenossen bzgl. ihres Aussehens.
Spricht deine Meinung aus, wenn dir etwas nicht passt; das tuen Hunde auch mit aller Deutlichkeit und meistens sind sie noch nicht einmal nachtragend.

Der Blick eines Hundes ist wie eine absolute Vertrautheit, so verwundbar, wunderbar und ehrlich.

Gute-Laune-Dogs wünscht einen guten und sanften Start ins Neue Jahr und ein entspanntes 2018 mit Ihrem Vierbeiner.

Bettina Küster

 

Hat die inhibitorische Fähigkeit (Impulskontrolle) einen Einfluss auf das Problemlöseverhalten?

Nutzen oder helfen Hunde ihre gemachten Erfahrungen in Problemlöseaufgaben?

Was ist die inhibitorische Fähigkeit (Impulskontrolle) überhaupt?
Die inhibitorische Fahigkeit (Impulskontrolle) ist die Fähigkeit impulsive (oder automatische) Reaktionen zu kontrollieren oder zu hemmen, um durch logisches Denken und Aufmerksamkeit Antworten zu finden.

Die dreijährige Kromforländerhündin hatte ihre Erfahrungen Türen zu öffnen bei der Übung „Futter suchen im Labyrinth“ nicht nutzen können.
Sie stand während der Übung, die 90 sek. dauerte vor der Scheibe des Labyrinths und war nicht in der Lage ihre Erfahrung „Türen zu öffnen“ beim Problemlösen bzw. bei der Lösung der Aufgabe, und zwar an das Futter im Labyrinth zu kommen, einzubringen.

Bei der Hündin war die Impulskontrolle gehemmt, sie war so sehr auf ihren Erfahrungsschatz fokussiert (Türen öffnen, saß vor der Scheibe des Labyrinths und versuchte dort hinein zu gelangen) dass sie nicht in der Lage war, die Übung zu lösen, bzw. zum Futter im Labyrinth zu gelangen.
Ihre o. g. Erfahrung und ihre eigentlich schnelle Auffassungsgabe halfen ihr nicht beim Lösen des Problems.

Von 12 Hunden haben neun Hunde die Übung „Labyrinth“ innerhalb der 90 Sekunden erfolgreich erledigen können.

Bettina Küster
Hundepsychologin nTR
Trainerin für Diabetikerwarnhunde
http://www.gute-laune-dogs.de
Ich freue mich über einen Pfotenabdruck auf der Seite Assessment für Hunde nBK©

Ziemlich beste Freunde! Warum andere Hunde so wichtig für unsere Hunde sind?

 

Hunde sind soziale Lebewesen und kooperationsfähig. Sie brauchen ihresgleichen, um ein Leben als Hund führen zu können. Hunde benötigen auch Rituale, also immer wiederkehrende Aktivitäten, die fest im Tagesablauf verankert sind, sonst können sie durcheinander geraten. Insbesondere für unsichere und ängstliche Hunde ist das besonders wichtig, denn so haben sie eine Erwartungssicherheit und können besser entspannen, als wenn sie nicht wüssten, was gerade an diesem Tag oder in diesem Moment passiert oder passieren wird.

Ein wichtiges Ritual ist, dass der eigene Hund die Möglichkeit hat, mit einem anderen befreundeten Hund regelmäßig zusammen zu spielen, zu toben und zu schnüffeln.

Emma zieht mich jeden Morgen, wenn ich mit ihr rausgehe an unserem Auto vorbei, welches neben dem Haus steht. Sie signalisiert mir damit, zu Lara, ihrer besten Freundin gehen zu wollen. Lara ist ein Border Collie und wohnt ca. 150 m weit weg von uns. Ist Lara mal nicht Zuhause, kann ich sie fast nicht mehr von der Tür wegbekommen, da sie sich so sehr darauf eingestellt hatte, mit ihr zusammen spazieren zu gehen.

Sie ist glücklich und zufrieden,  wenn Lara und sie dann zusammen losziehen können. Sie geben sich beide Sicherheit.
Auch die Empathiefähigkeit, die es unter Hunden gibt, kommt bei Lara und Emma sehr stark zum Vorschein, durch Aussenden von Beruhigungssignalen.
Lara (Border Collie) beruhigt Emma, wenn sie meint, dass Emma sich nicht wohlfühlt. Das macht sie z.B. auch wenn wir einen Weg entlang gehen auf dem viele Fahrradfahrer unterwegs sind, den wir leider nicht umgehen können. Emma findet Fahrräder ziemlich daneben. Auch wenn noch kein Fahrrad zu sehen ist, beruhigt Lara Emma mit den Calming Signals. Lara merkt an Emmas Verhalten – sie schaut sich öfters um – um sich zu vergewissern, dass keine Fahrräder kommen, dass sie nun Stress hat. Wahrscheinlich riecht sie zusätzlich noch den Cortisolspiegel von Emma, der jetzt ansteigt durch den Stress.

 

Bettina Küster
http://www.gute-laune-dogs.de

Hundeerziehung im Wandel von 1981 bis heute

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Jeder von uns kennt das Bild: Ein Hund wird von seinem Besitzer am Nackenfell gepackt und geschüttelt. In einigen Ratgebern über Hunde wird dies nicht nur als Strafe, sondern als eine Erziehungsmaßnahme vorgeschlagen. Was hat sich im Laufe der letzten 35 Jahre in der Hundeerziehung geändert?

Um das zu beantworten, werden wir eine kurze Reise durch die Fachliteratur der letzten 35 Jahre machen. Hierbei wird der Wandel in der Expertenmeinung sehr deutlich, denn bis wir da angekommen sind, wo wir uns heute befinden, hat der Hund ein gewisses Martyrium durchlaufen.

Von Nackenschütteln bis Leinenrucken

Dr. Ulrich Kober (Fachtierarzt und kynologischer Mitarbeiter der Zeitschrift „Wild und Hund“) rät in seinem Buch von 1981 „Pareys Hundebuch, Leitfaden für zeitgemässes Hundeverhalten“,  den Hund bei der Verunreinigung des Zimmers am Nackenfell zu ziehen und  mehrfach energisch „Pfui“ zu rufen. Das Hineinstubsen in sein „Geschäft“ mit der Nase sei eine sinnlose Strafmaßnahme.

Das Wissen, dass der Hund durch das Packen und Schütteln des Nackenfells Todeängste bekommt und eine Mutter ihre Welpen nie im Nacken packen würde, um sie zu strafen, sondern nur um sie von A nach B zu transportieren, gab es damals noch nicht. An anderer Stelle gibt Kober eine Anleitung zum Spiel mit Kindern: “Ruhig einmal die Hände belecken lassen, da der Neuankömmling Duft und Ausdünstung der als „Meutegenossen“ angesehenen Kinder kennenlernen will.“  Dieses Zitat finde ich bis auf die Tatsache, die Kinder als Meutegenossen zu bezeichnen, erst einmal für die damaligen Verhältnisse in Ordnung. Nie darf der kleine Kerl Angst vor uns haben. Lob, Abliebeln und Hörzeichen ‚Brav, mein Hund’, ggf. auch Verabreichen eines Lieblingsbissens, stehen in den ersten Wochen immer im Vordergrund. Niemals wird geschlagen.“ „Falls notwendig, kann bei verbotenem Verhalten der ‚Vaterrüde’ nachgeahmt werden. Statt Nackenbiss wird der Welpe am Nackenfell ergriffen und kurz geschüttelt; im Bedarfsfall kann er dabei auch hochgehoben werden. Statt des‚über die Schnauze-Beißens’ des Rüden kann man ihn auch am Nackenfell festhalten, während die andere Hand den Fang von oben her fest umfasst. Diese Strafreize müssen immer von einem energischen Hörzeichen „Pfui“ begleitet werden.“ Hier wird ersichtlich, dass für Kober das Ziehen am Nackenfell völlig normal ist bzw. eine Erziehungsmaßnahme für ihn zu sein scheint. Das Hineinstubsen mit der Nase hingegen betrachtet er als eine Barbarei.

Im Kapitel Leinenführigkeit schlägt Kober brachiale Methoden vor. Man solle eine lange Schnur am Halsband befestigen oder eine praktische Abroll-Kordelleine mit Stopp-Hebel (1981 gab es offensichtlich noch keine Flexi-Leinen bzw. noch nicht den Begriff).

„Der junge Hund soll im Spiel wild umherspringen und an der Leine zerren, bis die Stoppwirkung eintritt. Hat er sich aber einmal überschlagen bzw. merkt er deutlich das Unangenehme beim Haltruck, lernt er sehr bald, dass es viel besser ist, den Haltruf bzw. Pfiff zu befolgen, den man vorher eingeübt hat.“

In diesem Buch wird – so wie es Kober ausdrückt – vom Meuteführer und die untergeordneten Meutekumpane (damit sind die Familienmitglieder gemeint) gesprochen.

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Schlagen des Hundes ist sinnlos, aber Strafen ist wichtig

In dem Buch „Unsere Hunde“ aus dem Jahr 1984 von Sybille von Lichem und Dr. Heinz von Lichem findet man Bilder mit Hunden, die ein Stachel- oder Würgehalsband tragen und Aussagen wie: „Jadghunde gehören nur in die Hand des Weidmannes.“ Im Kapitel zur Erziehung des Hundes erklären die Autoren, wie der Hund mittels immer derselben verwendeten Befehle, die sogenannten Hörzeichen, Fuß, Sitz, Platz, Liegen, Zurück, an die Leine, erzogen werden soll. Man soll diese akustischen Signale sowohl leise als auch laut geben und sie mit Handbewegungen (heute: Sichtzeichen) untermalen. Auch wird auf den Einsatz von Hundepfeifen verwiesen und dass diese dann immer verwendet werden sollten. Ein ganz wichtiger und, wie ich finde, erfreulicher Erziehungsvorschlag ist: „Schlagen des Hundes ist absolut sinnlos. Wir achten von Anfang an darauf, dass das, was der Hund tun darf (oder soll) mit Lob und Wohltat (Hundekeks) verbunden ist.“

Aber leider haben beide Autoren auch eine Menge über Strafen zu berichten:

„Umgekehrt muss der Hund erleben, dass er gerügt und bestraft wird, wenn er falsch handelt. Die Strafe darf nicht nach der Untat, sondern während der Untat erfolgen. Hervorragend geeignet ist das Packen am Nackenfell, das Nachwerfen der Leine oder eines kleinen Steines; ausgezeichnet ist das bewusste Ignorieren, wenn unser Gefährte disziplinarisch versagt hat. Lob mit zärtlichen Worten, durch Streicheln, durch einen Leckerbissen baut jeden Hund, der sich richtig verhält, seelisch und erzieherisch nur auf. Unsere Hände dürfen nur loben, niemals schlagen. Zur Bestrafung eignen sich ein leichter Stock, eine zusammengerollte Zeitung usw. Doch der zu bestrafende Hund darf damit nicht wirklich geschlagen werden, sondern bekommt sinnbildlich einen etwas kräftigeren  Klaps (einen und nicht mehr!).“

Es ist schon überraschend, wie viel der Autor über Strafe und wie wenig über das Loben des Hundes schreibt. Hier wird nicht mehr unterschieden, sondern hier wird das Packen am Nackenfell als Strafe deklariert. Die Ambivalenz des Zitates spricht für die damalige Zeit. Es werden alle möglichen Arten von Strafen aufgezählt und im gleichen Atemzug soll der Hund mit Lob und zärtlichen Worten, durch Streicheln, durch ein Leckerbissen seelisch und erzieherisch wieder aufgebaut werden. Den Autoren war bewusst, dass er mit seinen Strafmaßnahmen den Hund „fertig“ machen konnte.

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Dominanztheorie: Die Weltherrschaft unserer Haushunde

Die damalige Unwissenheit über Verhalten und Erziehung von Hunden zeichnet sich weiter fort – auf Kosten des Hundes –  und zwar über die Dominanztheorie, die mittlerweile über 100 Jahre alt ist. Die Idee der Dominanz hat ein Deutscher in die Welt gesetzt, Oberst Konrad Most, ein preußischer Polizeibeamter. Er gründete damals seine Theorie auf wissenschaftliche Belege. Er und andere Wissenschaftler beobachteten Wolfrudel und glaubten zu erkennen, dass jedes Rudel von einem Wolf dominiert wird, der die anderen Wölfe despotisch streng durch Furcht beherrscht. Diese Theorien wurden nur aufgrund der Forschungsergebnisse von beobachteten Gehegewölfen (Wölfe in Gefangenschaft) hergestellt. Gehegewölfe verhalten sich nicht natürlich, da sie eine zusammengewürfelte Gruppe von nicht verwandten Wölfen sind.

Frei lebende Wölfe bestehen aus einem Familienverband bzw. sind eine Familie und die „Herrscher“ sind die Eltern. In diesem Familienverband gibt es keine oder wenig Aggressionen. In einem frei lebenden Rudel gibt es keine Dominanzgesten um Sexualpartner, da die Eltern das Rudel „beherrschen“. Die Kinder wandern ab, um sich eigene Sexualpartner zu suchen und würden niemals ihre Eltern umwerben. Damals gab es fast keine Verhaltensbeobachtungen an frei lebenden Wölfen, sondern nur an Gehegewölfen, die allesamt ein gespanntes Verhältnis zueinander hatten. Dabei kam es dann häufig zu zeit- und situationsbedingten Dominanzgesten, meist um einen Sexualpartner.  Daraus schlossen die Forscher, dass ein Wolf, ergo der Hund (Rüde), immer Chef sein will.

Diese Vorstellung hat die moderne Verhaltensforschung in den letzten zehn Jahren korrigiert. Zum Glück kann die heutige Dominanztheorie heute wissenschaftlich belegt werden. Kaniden betreffend definiert Dr. Roger Abrantes (portugisiescher Ethnologe und Biologe) Dominanz als „einen Trieb, der darauf ausgerichtet ist, Konkurrenz um Weibchen auszuschließen.“

Es stellt sich also die Frage, ob unser domestizierter Haushund dies im Sinn hat, wenn er auf seinen Besitzer und seine Familie blickt. Will der Hund wirklich seine Stellung im „Rudel“ verbessern? Liegt er nachts wach und schmiedet einen Komplott, um seine Menschen zu beherrschen? Oder plant der Hund gar das biologisch Unmögliche?

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Erste positive Erziehungstipps

Casper von Poser schreibt in seinem Buch „Freude an Hunden“ aus dem Jahr 1991: „Doch tadeln Sie ihn nie, wenn er für ihr Gefühl zu langsam lernt, sondern loben sie ihn, wenn er etwas zum erstenmal richtig macht (Fein!, Brav!). Das ist dann für beide wie ein Fünfer mit Zusatzzahl. Denn auch der Hund merkt, dass der Familiensegen wieder gerade hängt.“ Dieses empfiehlt von Poser im Zusammenhang mit der Lektion Stubenreinheit. Er verweist nicht auf das Schütteln des Hundes am Nackenfell. Auf gar keinen Fall soll ein Würgehalsband verwendet werden soll, denn dies sei in gewisser Weise ein Marterinstrument. Interessant sind auch die recht guten Erziehungstipps:

  • Der Hund sollte in guter körperlicher Verfassung sein.
  • Jeder Befehl sollte mit seinem Namen beginnen.
  • „Die Länge der Lektionen sollte am Anfang nicht mehr wie 10 Minuten überschreiten.
  • Machen Sie sich für die Erziehung des Hundes einen Stundenplan
  • „Ihr Hund erwartet von Ihnen in der gleichen Situation den gleichen Befehl und die gleiche Verhaltensweise.
  • Ihr Hund versteht nicht den Wortlaut ihrer Sprache, sondern den Tonfall. Deshalb muß Ihre Stimme beim Tadeln eine andere sein, als wenn sie ihn loben.“

In dem Buch wird auch über Rügen und Strafen gesprochen, z. B. wird dazu geraten, mit Körpereinsatz und Leinenruck zu arbeiten.

Dominanz-Unterordnungs-Stil

In seinem Buch „Wir Hunde“ (1991) führt Dr. Giorgio Andreoli die komplett veraltete Dominanztheorie aus. „Der Haushund überträgt die sozialen Beziehungen, die er naturgemäß zu seinen Artgenossen entwickeln würde, auf sein Menschenrudel.“ Das stimmt nicht. Hunde sind in der Lage, mit uns zu kommunizieren, aber sie sehen uns nicht als ihre Artgenenossen an. Dr. Andreoli weiter: „Es geht darum, ihm seine Grenzen aufzuzeigen, so wie es das Leittier gegenüber seinen Rudelgenossen tut. Vielmehr muß man dem Hund neben Strenge und Konsequenz ebenso Zuneigung und Lob zeigen. Anderenfalls zieht man sich einen verängstigten und unterwürfigen Hund heran. Am besten erzieht man einen Hund nach den Prinzipien der Dominanz und Unterordnung, die auch das Leben im Rudel regeln.“ Der Besitzer muß dem Hund zeigen, wo es langgeht. Der Autor ist auch der Auffassung, dass es bei den Rassen Pudel, Beagle und anderen Jagdhunden mit gutem folgsamen Charakter erst gar nicht zu Gehorsamsproblemen kommt und dass diese Rassen die Autorität des Herrn nie in Frage stellen (in dem Kapitel gibt es nur Fotos von Deutschen Schäferhunden). Dr. Andreoli ist promovierter Biologe und hat 1984 an einem Projekt zur Untersuchung der Ökologie und des Verhaltens von Wölfen und wildlebenden Hunden in Italien teilgenommen. Er ist der Meinung, dass der Hund mit Strenge und Konsequenz nach den Prinzipien der Dominanz und Unterordnung erzogen werden solle. Ansonsten werde sich das Verhältnis Hund/Halter als Mutter-Kind-Verhältnis widerspiegeln und der Hund würde niemals erwachsen werden. Den gleichen Effekt erhalte man durch zuviel Aufmerksamkeit und Fürsorge. Das ist interessant. Zumindest wusste Dr. Andreoli, wie man einen Hund richtig erzieht, nämlich mit einer Fürsorge wie bei einem Mutter-Kind-Verhältnis und sehr viel Aufmerksamkeit, Liebe und Respekt. Doch Dr. Andreoli  propagiert den Dominanz-Unterordnungs-Stil.

In dem praxisnahen Buch „Hunde richtig erziehen“ (1994) von Dr. Bruce Fogle, Tierarzt aus England, wird von den geeigneten Maßnahmen (Gehorchen von Befehlen bis zur Korrektur schlechter Angewohnheiten) gesprochen. Auch hier wird wieder vom Rudelführer Mensch, Dominanz, Unterwürfigkeit und Rangordnung gesprochen und auf die Erziehung der Hunde „übertragen“. Im Kapitel „Wie Ihr Hund denkt“ schreibt Dr. Fogle etwas Wahres und Erfreuliches: „Nur wenige Hunde möchten Rudelchef sein. Die allermeisten fühlen sich sicher und geborgen, wenn ein anderer das Kommando übernimmt. Die frühe Gehorsamserziehung verstärkt dieses natürliche Verhalten und lehrt die Welpen, auf die Befehle des Menschen zu reagieren.“

Dr. Fogle ist eigentlich bekannt, dass Hunde nicht die „Herrschaft“ übernehmen wollen. Nur um dieses Wissen richtig umzusetzen, sind noch ein paar mehr Jahre nötig. Erfreulicherweise wird in diesem Buch über das Belohnungssystem gesprochen. Gutes Benehmen sollte man stets belohnen. Erstaunlich ist auch die Aussage, Hunde würden schnell lernen und bestimmte Wörter mit speziellen Reaktionen und Belohnungen assoziieren. Der Autor gibt gute Tipps, wie ein Hund belohnt werden kann. Er nennt Formen der Belohnung wie Leckerbissen, Körperkontakt oder Spielzeug. Zum Leid des Hundes zeigt Dr. Fogle auch Formen der Bestrafung auf, z. B. Einsatz einer Wasserpistole, Körpereinsatz und Leinenrucken. Er rät, auf aversive Mittel zurückzugreifen. Verhaltensauffälligkeiten wie Schwanzjagen werden mit Gegenmaßnahmen therapiert, anstatt der Ursache auf den Grund zu gehen. Hier wird klar, dass im Jahr 1994 offensichtlich noch nicht so viel oder gar nichts über Stereotypien wie z. B. Schwanzjagen und zwanghaftes Lecken der Pfoten oder Schilddrüsenunterfunktionen bekannt war. Stattdessen wurden Hunde, die o.g. Verhaltensauffälligkeiten zeigten, als schlecht erzogen dargestellt. Diese Stereotypien werden im Kapitel „Überregtheit“ erwähnt.

Tausche Strafe gegen Korrektur

Die Autoren Nicole Hoefs und Petra Führmann tauschen in ihrem Buch „Das Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde“ von 1999 in dem Kapitel über Erziehungsmethoden und Hilfsmittel das Wort Strafe erst einmal durch das Wort Korrektur aus, weil sie es für angemessener halten. Schließlich geht es in der modernen Hundeerziehung darum, durch Korrektur eine Verhaltensänderung zu erreichen. Der Begriff Strafe stamme aus dem 19. Jahrhundert, so Hoefs und Führmann. Sie glauben, dass durch das Austauschen des Wortes Strafe mit dem Wort Korrektur ihre Erziehungstipps moderner wirken.

In dem Buch wird über Verstärkung im falschen Moment geschrieben. Hoefs und Führmann gehen davon aus, dass Zuwendung im falschen Moment zuverlässige Erziehungserfolge unmöglich macht. Außerdem sind sie der Auffassung, dass uns der Hund mit seinem Verhalten manipulieren kann.

Disk-Training und Sprühhalsbänder sind nur unter fachlicher Anleitung zu verwenden, führen sie aus. Leider wird in dem Buch viel zu viel von der Alpha-Dominanz-Geschichte auf die Hundeerziehung abgeleitet.

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Der Aha-Effekt

1997 erschien zum ersten Mal „On Talking with dogs: Calming Signals“ (Ersterscheinung in Englisch in den USA) von Turid Rugaas und Terry Ryan. Es ist eines der schönsten und informativsten Bücher, die ich gelesen habe. Fast wie eine Revolution erscheint es, dieses Buch zu lesen. Da beschreibt Rugaas, was es bedeutet, wenn ein Hund den Kopf abwendet. Mancher Hundebesitzer denkt, dass der Hund ihn ärgern will, nicht hört und einfach wegguckt. Doch dabei handelt es sich um bestimmte körpersprachliche Signale, die sowohl für den Hund selber als auch für sein Gegenüber wichtig sind. Dieses Buch ist wie ein Aha-Effekt, ja genau, jetzt weiß ich warum mein Hund den Kopf abwendet, blinzelt oder sich die Nase leckt, um nur einige der Calming Signals zu nennen. Willkommen in der Welt der Beruhigungs- und Beschwichtigungssignale der Hunde! Hunde sind wahre Konfliktlöser durch Auslösen ihrer Signale. Turid Rugaas eröffnet eine ganz andere Sichtweise auf den Hund und dessen Verhalten in speziellen Hund-Hund- und Hund-Mensch-Begegnungen.

In seinem Buch „Dominanz, Tatsache oder fixe Idee“ aus dem Jahr 2000 räumt Barry Eaton augenzwinkernd mit der Theorie auf, dass der Hund nachts wach liegt und Pläne schmiedet, um die Herrschaft zu übernehmen. Eaten führt aus, dass das Gedankenmodell des dominanten Hundes leider die Grundlage vieler Erziehungsmethoden ist und dringend einer Überarbeitung bedarf. Wissenschaftlich fundiert werden die Mythen des dominaten Hundes widerlegt und für den Leser wird deutlich, dass ein Hund in Harmonie leben möchte und nicht „die Leiter aufsteigen“ möchte.

In „Die Hundegrundschule“ ein Sechs-Wochen-Lernprogramm von Patricia B. McConnell und Aimee M.Moore aus dem Jahr 2006 schreiben die Autoren, dass der Schlüsselfaktor für den richtigen Einsatz von positiver Bestärkung folgender ist: Ihr Hund definiert, was ihn bestärkt – nicht Sie. Ein kluges wissenschaftlich fundiertes Praxisbuch. Hier werden Woche für Woche Tipps gegeben, wie sie Ihren Hund perfekt nach der positiven Bestärkung erziehen. Sie enthalten fundierte Anleitungen bzw. Übungen, die genau erklärt werden. Außerdem erhält der Leser „Haus“aufgaben. Auch gibt es ein schönes Zitat zum Dominanz-Irrtum. „Wenn Hunde nicht das tun, was wir von ihnen verlangen, tun sie das sehr oft aus den gleichen Gründen wie wir selbst, wenn wir nicht die Erwartungen anderer erfüllen: Weil wir verwirrt sind, Angst haben oder motiviert sind, etwas anderes zu tun. Alle Beteiligten werden dann am glücklichsten sein, wenn Sie sich wie eine wohlwollende Führungsperson benehmen, wie ein guter Elternteil oder guter Lehrer und nicht wie ein autoritärer Diktator.“

Imke Niewöhner, Tierärztin und Hundetrainerin, hat im Jahr 2012 ein praxisnahes Acht-Wochen-Grundlagenprogramm für Welpenbesitzer mit dem Titel „Auf ins Leben – Grundschulplan für Welpen“ herausgegeben. Sie weist darauf hin, wie wichtig die Sozialisierungsphase für den frischgebackenen Welpenbesitzer ist. Bis zur 12. Woche dauert die Phase, jedoch ist eine Sozialisation auf unbelebte Dinge (Straßensituationen, flatternde Planen etc.) und mit anderen Tierarten auch noch bis etwa zur 16./18. Woche möglich. Niewöhner stellt die Unterschiede zum Neutralen Lernen (Gewöhnung) und Positiven Lernen in ihrem Buch sehr gut grafisch dar. Sie gibt gute und nachvollziehbare praktische und theoretische Ratschläge, wie wir den Hund dazu bekommen, dass es sich für ihn lohnt, zu uns zu kommen und nicht mit anderen Hunden zu spielen.

Fazit einer sich ständig ändernden Hundeerziehung

In den letzten dreißig Jahren wurden viele Hundeerziehungsbücher von den unterschiedlichsten Autoren geschrieben. Damals gab es noch nicht so viele Weiterbildungs- und Bildungsmöglichkeiten wie heute, z. B. das Tiermedizinstudium mit der Zusatzbezeichnung „Verhaltenstherapie“, die Fernstudiengänge bei der ATN in der Schweiz, das Studium zum Hundepsychologen, die Ausbildung zum Hundetrainer. Heute ist eine Sintflut von Büchern und Lern-DVDs über die Erziehung des Hundes auf dem Markt. In Facebook gibt es unzählige Gruppen, in denen „hilfebedürftige Hundebesitzer“ über die richtige Erziehungsmethode aufgeklärt werden. Zumindest sind sich die, die nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen mit Hunden arbeiten, einig, dass positive Verstärkung die fairste Möglichkeit ist, mit einem Hund zu arbeiten. Wir müssen nicht den Chef raushängen lassen, um mit unserem Hund harmonisch leben zu können. Nein, statttdessen wird er von uns beschützt – wenn es sein muss. Unser Hund ist des Menschen bester Freund, denken wir. Er begleitet uns seit Zehntausenden von Jahren. Trotzdem verstehen Menschen die Hunde nicht bzw. ihnen fehlen grundlegende Kenntnisse, um den Bedürfnissen ihres Hundes gerecht zu werden. Unser Hund möchte Teil unserer Familie sein und auch so behandelt werden. Behandeln Sie ihren Hund immer so wie Sie auch behandelt werden möchten. Ein Hund ist kein Alphatier oder dominant (dominantes Verhalten ist immer zeit- und situationsabhängig und nicht permanent), er möchte nicht die „Leiter aufsteigen“, sondern er sehnt sich nach Harmonie und vermeidet Stress. Denn eines ist klar: Ein Hund will nicht die Weltherrschaft übernehmen und plant nicht das biologisch Unmögliche. Das haben zum Glück immer mehr professionell arbeitende Hundepsychologen und –trainer in der heutigen Hundeerziehung erkannt.

Bettina Küster

Hundepsychologin nTR

Februar 2013

 

Quellangaben:
1981 Pareys Hundebuch (243 Seiten), Leitfaden für zeitgemässe Hundeverhalten von Dr. Ulrich Kober (Fachtierarzt und kynologischer Mitarbeiter der Zeitschrift „Wild und Hund“.
1984 „Unsere Hunde“ aus dem Signum-Medien Verlag München 21. Die Autoren dieses Buches sind Sybille von Lichem/Dr. Heinz von Lichem. Ein Buch (239 Seiten) über Rassen, Haltung und Pflege mit vielen tollen Bildern.
1991 Freude an Hunden von Casper von Poser (100 Seiten)
1991 Wir Hunde von Giorgio Andreoli. Der Autor ist promovierter Biologe. 1984 nahm er an einem Projekt zur Untersuchung der Ökologie und des Verhaltens von Wölfen und wildlebenden Hunden in Italien teil.
1994 Hunde richtig erziehen (127 Seiten)  von Dr. Bruce Fogle, Tierarzt aus England
1997 On Talking Terms with dogs:Calming Signals (Ersterscheinung in Englisch in den USA) von Turid Rugaas und Terry Ryan
1999 Das Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde von Nicole Hoefs und Petra Führmann
2000  Dominanz, Tatsache oder fixe Idee von Barry Eaton
2006 Die Hundegrundschule von Patricia B. McConnell und Aimee M. Moore
2012 Auf ins Leben – Grundschulplan für Welpen von Imke Niewöhner, Tierärztin und Hundetrainerin

 

Mainstream in der Hundeszene

Ein Erziehungstipp nach dem anderen findest du in den sozialen Medien

Wie du deinem Hund beibringst, nicht an der Leine zu ziehen,
Anti-Giftködertraining
Rückruftraining
usw.

Dabei kann man sich aussuchen, ob man sich Erziehungstipps als Film anschaut oder als Artikel durchliest. Wobei der Artikel meist als old school gilt.
Denn wer hip sein  will, schaut sich nur noch  Erziehungsfilme an, die man käuflich erwerben kann.

 

Ich habe vor kurzem beschlossen, meinen Facebook-Account zu deaktivieren, da ich mich gar nicht mehr gegen so viel Mainstream-Videos, Erklär- und Erziehungsfilme retten konnte. Dazu kamen immer noch mehr gesponserte Video- , Erklär- und Erziehungsfilme, Marketing-Tools-Seiten und Gewinn-Spielchen. Dieses ging mir gehörig auf die Nerven, so dass ich beschloss, dem ein Ende zu bereiten. Ich wurde einfach überflutet mit vorgegebenen Videos und wollte das nicht mehr. Denn ich weiß sehr gut, wie ich meinem Hund etwas beibringe. Ich bin sehr gerne auf Facebook unterwegs, doch das hat mich komplett überfordert und tat nicht mehr gut oder hat Spaß gemacht. Außerdem hat es mich unter einen enormen Stress gestellt.
Das ist mir to much busy. Vielleicht bin ich zu altmodisch oder zu alt dafür. Aber wenn ich mir meinen Kundenkreis so anschaue, kommen die allerwenigsten Kunden über Soziale Netzwerke, sondern über Mundpropaganda oder über meine Website.

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Aber  Mainstream – was ist das überhaupt?
Die englische Übersetzung bedeutet Hauptstrom und meint so etwas wie Massengeschmack. Ab wann ist man denn eigentlich mainstream? Nun ja, wenn man als Person nur noch dem Massenstrom folgt und keine eigene Meinung hat.
In der heutigen Zeit gefällt es den Menschen und Hundehaltern wohl, sich alles sagen oder vorführen zu lassen, ohne selbst etwas auszuprobieren.
Das fängt an bei der Kleidung, Ernährung, Wohnungseinrichtung, Urlaubstipps und endet bei Erziehungstipps für Hunde.
Klar gibt´s immer Leute, die es übertreiben und ich frage mich wie viel Zeit dort investiert wird, die man nicht bezahlt bekommt. Warum rege ich mich darüber auf? Habe ich keine anderen Probleme? Nein, alles okay. Ich freue mich für die, die das alles gebrauchen können und ich freue mich über die gewaltfreie Arbeit mit Hunden in diesen Video-  Erklär- und Erziehungsfilmen, denn das ist das einzige Gute was ich diesem Mainstream abgewinnen kann.

Bettina Küster
Hundepsychologin nTR
http://www.gute-laune-dogs.de