Wenn unser Hund für immer geht!

Der Tod unseres geliebten Hundes verursacht ein emotionales Trauma. Zu trauern ist eine wichtige Sache, um den Verlust zu verkraften. Jeder geht anders damit um. Aber wenn jemand den Verlust seines geliebten vierbeinigen Freundes erleidet und diese Nachrichten in den sozialen Medien teilt, passiert etwas Magisches. Fürsorgliche Hundeliebhaber kommentieren und sprechen ihr Beileid aus. Ein Band der Liebe wird geteilt. Jeder, der einen Hund liebt, versteht diesen intensiven Verlust. Freunde nah und fern bieten Hilfe an, auch wenn sie nur emotionale Unterstützung bieten. Auch ich fühle mich immer dazu bewegt, den Status von jemandem zu kommentieren, der gerade seinen besten Freund verloren hat.

Dieser Verlust reißt uns Hundebesitzern den Boden unter den Füßen weg. Alles in unserem täglichen Leben ändert sich, wenn wir einen geliebten Hund verlieren, plötzlich ist es still und leise und unser Hund fehlt an allen Ecken und Kanten. Was vorher alles so selbstverständlich war, spiegelt sich nun im Verlust des geliebten Freundes enorm wieder. Die alltäglichen Dinge wie Gassi gehen, Futter zubereiten, kuscheln fehlen von jetzt auf gleich. Auch die Gespräche mit unserem Hund sind nicht mehr da und die stürmische Begrüßung – weg. Wir waren die Welt für unseren Hund und jetzt ist er für immer gegangen. Er war ein Teil unserer Welt und erst wenn er nicht mehr da ist, wird uns bewusst, dass auch er unsere Welt war.

Das Leben unserer geliebten Hunde ist so wertvoll, sie sind viel zu kurz bei uns. Der frühe Verlust ist der Preis, den wir zahlen, so viel Glück in unserem Leben zu haben.

Bettina Küster

www.gute-laune-dogs.de

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Heißt Ihr Hund auch „Nein“?

Ich freue mich, einen Gastbeitrag von Sonja Meiburg in meinem Blog veröffentlichen zur dürfen. Sie arbeitet als Hundetrainerin in ihrer Hundeschule Holledau und ist die Gründerin von Hey-Fiffi.com und bekannt aus Funk und Fernsehen.

Kennen Sie den?
„Treffen sich zwei Hunde. Sagt der eine zum anderen: ‚Und? Wie heißt Du?‘
Sagt der andere: ‚Fiffi, nein!!!’“

Das ist ein uralter Hundetrainer-Witz, der nicht nur einen Funken, sondern gleich einen ganzen Flächenbrand an Wahrheit besitzt.

Typische Szene am Samstagvormittag in der Hundeschule:
Die Hunde werden aus dem Auto gelassen, das heißt, sie springen schon mal einfach so aus dem Kofferraum, wenn Frauchen nicht aufpasst. „Fiffi, nein!!“ (heißt: „Spring nicht einfach aus dem Auto“).
Ein paar Sekunden später sieht Fiffi auf dem Hundeplatz seine Kameraden und zieht mit aller Macht in Richtung Eingang. „Fiffi, nein!!“ (heißt: „Zieh nicht an der Leine“).
Während der Begrüßung versucht Fiffi, an mir hochzuspringen. „Fiffi, nein!!“ (heißt: „Spring nicht am Trainer hoch“).
Fünf Minuten später schnüffelt Fiffi am Boden und hat dort ein Guttie gefunden, dass ein anderer Hund liegen gelassen hat. „Fiffi, nein!!“ (heißt: „Lass das Guttie dort liegen“).

Fällt Ihnen was auf? Der Informationsgehalt für den Hund in diesem Nein-Hagel ist…ja genau… gleich Null! Er hat im besten Fall eine ungefähre Ahnung davon, dass jetzt gerade etwas nicht in Ordnung ist und dass Frauchen irgendwie sauer ist. Im schlechtesten Fall interessiert ihn das „Nein!“ schon gar nicht mehr und er stellt die Ohren auf Durchzug.

Ein „Nein“ gibt dem Hund keinerlei brauchbare Informationen darüber, welches Verhalten Frauchen denn nun eigentlich möchte. Woher soll der Hund wissen, dass „Nein, Fiffi!!“ jetzt gerade heißt „Zieh nicht an der Leine“ und nicht „Schau nicht in die Luft“ oder „Wedel nicht mit dem Schwanz“?

Daher ist eins der ersten Dinge, die den Hundehaltern in guten Hundeschulen beigebracht werden:
„Sagen Sie Ihrem Hund, was er tun und nicht nur, was er lassen soll!“

Ansonsten ist Ihr Training ineffizient und nervig für beide Seiten.

Das glauben Sie nicht? Machen Sie mal ein kleines Experiment. Bitten Sie Ihren Partner/Ihr Kind/Ihre Schwiegermutter, mal kurz draußen vor der Küchentür zu warten. Sie überlegen sich, was Ihre Versuchsperson in dieser Küche tun soll. Nehmen Sie etwas, was gaaaanz einfach ist, wie z.B., sich auf einen der Stühle zu setzen.

Und dann bitten Sie die Person, wieder herein zu kommen. Sobald sie hereinkommt, bitten Sie sie, irgendetwas zu tun. Und immer, wenn sie sich nicht auf einen Stuhl setzt, wird sie mit „Nein!“ korrigiert. Ihre Schwiegermutter schaut zum Kühlschrank? „Nein!!“ (Lassen Sie mich raten, wie die schauen wird…). Ihre Schwiegermutter geht zur Kaffeemaschine? „Nein!!“ Jetzt dreht sie sich um und will lieber die Küche wieder verlassen? „Nein!!“ Ich vermute, mehr als drei Nein´s werden Sie nicht brauchen bis Ihre Schwiegermutter keine Geduld mehr hat und Ihnen den Vogel zeigt. Und ich vermute, sie sitzt dann immer noch nicht auf einem der Stühle…

Wäre es nicht viel einfacher gewesen, Ihre Schwiegermutter zu bitten, sich einfach auf einen der Stühle zu setzen? Und wenn Sie ihr dann auch noch eine Tasse Kaffee zubereiten, bleibt sie auch sicher gerne sitzen (ob Sie das wollen, ist eine andere Frage…).

Und genau so wie Ihrer Schwiegermutter ergeht es Ihren Hunden!

Statt sie mit einem Nein-Hagel zuzuballern, macht es wesentlich mehr Sinn, Ihnen zu sagen, was sie eigentlich tun sollen.

Um mal auf die Hundeplatz-Szene zurück zu kommen:
Wenn Fiffi unkontrolliert aus dem Auto springen möchte, hilft ein „Bleib“, für das es nach korrekter Ausführung ein tolles Leckerli gibt, wesentlich mehr als ein „Nein!“
Ja, das muss man üben.

Wenn Fiffi zu seinen Kameraden stürmen möchte, hilft ein „Warte“ oder ein „Sitz“, für das er dann nach korrekter Ausführung zu seinen Kameraden stürmen darf, wesentlich mehr als ein „Nein!!“
Ja, das muss man üben.

Wenn Fiffi am Trainer hochspringen möchte, hilft ein „Sitz“, für das er nach korrekter Ausführung den Trainer begrüßen darf, wesentlich mehr als ein „Nein!“
Ja, auch das muss man üben.

Ihr Hund schnüffelt am Boden, weil er etwas Leckeres in der Nase hat? Hier hilft ein „Komm“ oder „Schau mich an“ mit einer tollen Futterbelohnung ebenfalls mehr als ein „Nein!“. Das gilt hier ganz besonders, denn wenn der Hund einmal gelernt hat, dass er nach einem „Nein!“ nicht an das Futter am Boden herankommt, wird er immer schneller und geschickter darin, das Futter doch noch zu erwischen…
Ja, verflixt, auch das muss man üben.

Nochmal: Einer der wichtigsten Merksätze in der Hundeerziehung lautet
„Sagen Sie Ihrem Hund, was er tun und nicht nur, was er lassen soll!“

Immer, wenn Ihnen etwas stinkt, was Ihr Hund tut, sollten Sie sich fragen: Was möchte ich denn, was er stattdessen tut? Und dann üben Sie genau das!
Und wenn Sie ihn dann noch für erwünschtes Verhalten passend belohnen, sind Sie wesentlich schneller am Ziel als mit jedem noch so harsch gesprochenen „Nein!!“.

Und es macht auch noch viel mehr Spaß. Dem Hund u n d seinem Menschen!

Liebe Grüße,
Sonja Meiburg
Hundeschule Holledau
(erschienen in der Zeitschrift „Tierschutz-Augenblicke“)
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Hier ist der Link zum Originalartikel!

HUNDEHALTUNG IN SOZIALEN NETZWERKEN

Gastbeitrag von Ines Neuhof der Hundehalterpsychologin

Liest man sich durch soziale Netzwerke wie Facebook oder Hundeforen, entsteht der Eindruck, der durchschnittliche deutsche Hundehalter mache eigentlich alles falsch.

Immer wieder tauchen in einschlägigen Gruppen Fragen auf, die deutlich erkennen lassen, dass die Fragende (häufig sind es auch Frauen) sich mit einer Thematik noch nicht tiefgründig genug beschäftigt hat. Oft werden diese Fragen auch eingeleitet mit den Worten „Ich bin Anfänger….“. Selbst bei dem Zusatz: „ich möchte aber keine Diskussion auslösen“ passiert häufig genau das.

Nehmen wir jetzt mal eine fiktive Hundeinteressentin namens Jana, die sich im Internet erstmals über Hunde informiert. Jana hat Humor und betrachtet die Themen nicht so todernst, wie sie oftmals diskutiert werden. Sie liest nun im Facebook zu Themen der Hundehaltung und es entsteht das folgende Bild:

Fütterung

Hundefütterung ist eines der grundlegendsten Themen in der Hundehaltung, eigentlich das wichtigste überhaupt, neben der Erziehung und Krankheiten. Hundefutter kauft man nicht im Zooladen, schon gar nicht im Discounter. Das geht wirklich gar nicht. Fragen zur Fütterung ufern meist wirklich richtig aus. Frisches Futter soll es sein. Am besten Tiere, die es vorher so richtig, richtig gut hatten. Wildtiere vom Jäger, auch wenn die eigentlich lieb durch den Wald laufen sollten. Fleisch vom Discounter enthält viel zu viele Zusatzstoffe. Das können Menschen essen, aber nicht Hunde. Die Frage, ob man da jetzt noch etwas zufügen muss trennt die Hundefrauenfacebooknation. Ja, sagen die einen, Obst und Gemüse und diverse Pulver. Aber nur nach Plan vom Ernährungsberater und abgewogen. Um Gottes willen, sagen die anderen, wir füttern prey. Also die netten Kaninchen vom Jäger. Die Frage nach einem Trockenfutter ist eigentlich nicht erlaubt, spätestens im zweiten Kommentar wird erwähnt, wie schädlich die Inhaltsstoffe im Futter sind. Jana schaut beim Einkaufen verstohlen auf den Herrn vor ihr, der auf das Kassenband Hundefutterdosen der Eigenmarke des Ladens legt. Vielleicht weiß er es nicht besser, vielleicht liest er nicht bei Facebook. Sein Hund wird sterben.

Tierarztbesuche

Samstagabend, Jana sitzt am Rechner und scrollt sich durch Facebook. Der Hund von Frau Y. hat einen komischen Pickel am Bauch. Eigentlich schon seit einer Woche, aber jetzt hat Frau Y. Freizeit und überlegt, was das eigentlich sein könnte. Bestimmt Krebs. Jedenfalls sollte der Hund zum Tierarzt. Schnellstens. Am besten gleich. Es ist schon erstaunlich, dass man da noch so ruhig vor dem Rechner sitzen kann, wenn der Hund so sehr leidet. Überhaupt ist es erstaunlich, wie viele Blutbilder im Laufe eines Jahres angefertigt werden müssen. Wie oft gehen die Hundehalter denn zum Tierarzt? Reicht einmal täglich? Wie bezahlt man das denn eigentlich alles? Die haben bestimmt alle einen richtig guten Job. Und einen tollen Arbeitgeber, bei dem man am Montag um 10.25 Uhr bei Facebook medizinische Hinweise geben kann. Oder hier sind bestimmt viele selbständige  Fachtierärzte mit umfangreicher Tagesfreizeit. Denn die User wissen viel, mehr als die Tierärzte da draußen. Jana wird zumindest klar, dass Hunde sehr oft krank werden können und sie eigentlich nebenbei Tierarzt sein sollte, um auch wirklich jede Krankheit gleich von Anfang an zu erkennen. Auf ihrer Liste steht gleich hinter „Jäger ausfindig machen“ der Posten: „Im Büro aufhören und Tiermedizin studieren“. Lebt der Hund von Frau Y. eigentlich noch? Sie schreibt gar nichts mehr?

Erziehung

War sich die Facebookfrauennation recht einig, dass medizinische Hilfe für den Hund am Wochenende in der Nacht die einzig mögliche Handlungsoption ist, trennen sich bei dem Thema Erziehung die Sichtweisen in alle erdenklichen Richtungen. Auf jeden Fall braucht man Fachwissen. Sehr viel Fachwissen. Man muss Abkürzungen lernen, die kein Abkürzungsverzeichnis der Welt kennt: „Hab meinen Hund aus dem TS. Gehe ich wegen der SDU mal lieber gleich zum TA oder kann da ein THP helfen?“  Die Wochenenden wird Jana wohl demnächst auf Seminaren zubringen müssen. Reicht es eigentlich aus, nur Tierarzt zu werden? Und woher soll sie denn wissen, ob in ihrer Hund-Mensch-Konstellation nun straffreie Erziehung sinnvoll ist? Oder doch lieber natürliche Führung durch den Menschen? Aber eine Rangordnung gibt es ja sowieso nicht. Halt doch, gibt es, sagt jemand anderes. Was sagen eigentlich die Hunde dazu? Wieso ist sich die Wissenschaft nicht einig, die sollten es doch wissen? Und warum kennen die hier sämtliche Studien zum Thema Hundeerziehung? Reicht da nicht auch ein Hundebuch? Eines scheint nicht zu reichen, denn es gibt gefühlt drei Millionen Erziehungsratgeber. Nicht alle scheinen ok zu sein, denn es wird schon nachgefragt, ob dieser oder jener Autor gruppenkonform ist. Erziehungsfragen im Facebook scheinen jedenfalls Lawinen von persönlichen Sichtweise auszulösen, am Ende des Threads steht auch gern mal ein warnendes „Thread geschlossen“. Nach einer Diskussion am Dienstagvormittag (auch Hundetrainer scheinen über viel Tagesfreizeit zu verfügen, und Hundetrainer sind die hier alle mit Sicherheit) sind einige der Namen grau unterlegt. Die haben die Gruppe verlassen. Die scheinen jetzt auch immer noch so ratlos zu sein, wie Jana.

Hundezubehör

Diese Gruppen scheinen freundlicher sein, jedenfalls scrollt man sich hier durch viele bunte Bildchen. Hundehalter zeigen gern ihre Kollektionen. Schließlich sind die auch oft selbst genäht. Das Zeug aus dem Laden scheint zumindest nicht für Hundefreunde gemacht. Das passt nicht, verrutscht, kneift und ist keinesfalls in der Lieblingsfarbe erhältlich. Überhaupt ist so ein Geschirr von der Stange für 20 Euro nichts, was man empfehlen kann. Da muss man schon tiefer in die Tasche greifen. Warum wurde überhaupt jemals das Halsband erfunden? Wie vielen Generationen von Hunden wurde tierschutzrelevant am Halsband die Schilddrüse zerquetscht? Haben deswegen so viele Hunde eine Schilddrüsenunterfunktion? Ach nein, eine SDU!  Die Näherinnen scheinen zumindest auch alle Tierärzte und Hundetrainer zu sein. Mit falschem Zubehör kann man schon richtig viel falsch machen. Auf Janas Liste kommt der Zusatz: „Oma aufklären, dass sie Flockis Halsband und den Tennisball entsorgt.“ Was Jana allerdings wundert: Einige der User hier kennt sie aus den Erziehungsgruppen. Wieso schreiben die hier und fragen nach Schleppleinen, weil der Hund nicht abrufbar ist? Sie wissen doch, wie man das trainiert, schließlich erklären sie es anderen?

Tierschutz

Jana ist immer noch optimistisch und möchte nach wie vor einen Hund. Nun hat sie sich gedacht, dass ein Mischlingshund aus dem Wurf der Tante eigentlich ideal für sie wäre. Tante Ursel hat nämlich gehört, dass jede Hündin einmal im Leben werfen sollte. (Das ist der Moment für Schnappatmung in der Hundefrauenfacebooknation, hier sind sich aber wieder alle einig). Ihre Dackeldame hatte ein Rendevouz mit Nachbars Lumpi und Jana darf sich einen Welpen aussuchen. Aber das geht gar nicht. Vermehrer darf man nicht unterstützen. Gut, die eine oder andere hat den Fehler selbst gemacht und ist im Grunde recht glücklich mit ihrem Vermehrerhund, aber Jana sollte das keinesfalls unterstützen. Niemals. Eigentlich darf man nur Hunde aus dem Tierschutz nehmen. Die können krank sein oder unerzogen, aber da kann man sich ja Hilfe holen. Bei Facebook zum Beispiel. Aus dem Ausland darf der Hund aber auch nicht sein, das ist pfui. Hund vom Züchter? Auch pfui.  Hund von der Tante? Richtig… pfui. Jana überlegt also, sich lieber mal bei einem Tierschutzverein umzuhören. Sie klickt eine Tierschutzgruppe an.

Hund alleine lassen

Frau X. aus der Tierschutzorga setzt sich für Tiere ein, weil sie von Menschen bisher nur bitter enttäuscht wurde. Hunde sind sowieso die besseren Menschen (aber trotzdem kein Fleisch aus dem Discounter!).  Hunde, die sie vermittelt, sollen es gut haben. Richtig, zum Tierarzt sollte man öfter gehen, so ein Hund braucht medizinische Versorgung und mit der Ernährung des Hundes hat sich Jana ja schon beschäftigt und kann mit Wissen glänzen. Das hört sich alles gut an. Was Jana beruflich mache? Na sie arbeitet in einem Büro. Nein, den Hund mitbringen darf sie nicht. Wo der Hund dann in der Zeit bleibt? Na zu Hause. Wie lange? Na schon ein paar Stunden. Arbeiten muss sie ja, um sich Futter, Tierarzt, Zubehör und Trainer zu leisten. Aber den Hund alleine lassen, das geht nun wirklich nicht. Jana überlegt, ob die Tierschützer alle geerbt haben? Oder alle einen reichen Mann haben? Alles Hausfrauen? Scheinbar, denn auch hier trudeln die Antworten rund um die Uhr ein. Für einen normal arbeitenden Menschen verbietet sich Hundehaltung jedenfalls. Wie will man denn da aller 4 Stunden für mindestens 3 Stunden rausgehen? Wie machen das denn eigentlich all die anderen?

In Deutschland leben etwa 5 Millionen Hunde, heißt es. Etwa 27 Millionen Menschen in Deutschland nutzten im Jahr 2015 Facebook. Nun wird es eine Schnittmenge von Menschen geben, die Hunde halten und Facebook nutzen, einige Hundehalter werden dies jedoch nicht tun. Immerhin haben im Jahr 2015 etwa 52 Millionen Menschen in Deutschland Zugang zum Internet. Etwas mehr als die Hälfte, aber immer noch nicht jeder. Daher wird es statistisch gesehen auch eine Gruppe von Menschen geben, die Hunde halten aber nicht im Internet lesen.

Und es gibt sie auch, die Hundehalter die nach Feierabend mit ihrem Unfallwurf-Hund am Halsband durch den Park laufen und in der Tasche einen Beutel Trockenfutter stecken haben. Das sind nämlich die Leute, die man außerhalb der Facebookwelt trifft. 😉

Bildnachweis: Pixaby 4363848

Der Link zum Originalartikel.

Hundehaltung in sozialen Netzwerken von Ines Neuhof

Das Leben mit einem Deprivationshund

Mein Hund Emma ist ein Hund mit Deprivationssyndrom. Sie ist im Alter von 16 Wochen von Griechenland zu uns gekommen. Ich habe mir Emma aus dem Internet ausgesucht – per Foto. Mir gefielen die Griechen vom Aussehen und vom Typ her, so dass ich beschloss, der nächste Hund sollte ein Grieche sein. Das würde ich heute nicht mehr so machen, sich einen Hund per Foto aus dem Internet auszusuchen, aber hinterher ist man immer schlauer. Trotzdem möchte ich keine Minute mit Emma missen. Von ihr habe ich mehr über Hunde gelernt, als auf jedem Seminar oder aus Hundebüchern. Im Umkreis von 20-30 km konnte mir damals von den umliegenden Hundeschulen kaum jemand helfen. Emma war panisch und ängstlich und wollte nur flüchten, als sie zu uns kam. Ich war total rat- und hilflos, hatte ich doch selber schon immer Hunde, allerdings noch nie einen ängstlichen Hund. Ich war überfordert mit der Situation, doch für mich stand fest, sie bleibt, egal wie ängstlich sie ist. Die Ausbildung zur Hundepsychologin bei Thomas Riepe hat mir sehr geholfen und Emma und mich auf den richtigen Weg gebracht. Nach Abschluss der Ausbildung  war Emma als Juniorchefin in meiner mobilen Hundeschule „angestellt“. Sie hatte eine Aufgabe die sie super gemeistert hat. In den Hundegruppen ist sie oft die „Polizei“ und splittet Situtionen in denen Hunde zu angespannt interagieren. Sie wird im August neun Jahre alt und wir sind zu einem tollen Team zusammen gewachsen. Ich bin sehr stolz auf Emma. Das Leben mit einem solchen Hund ist anders als mit einem normal sozialisierten Hund. Doch wenn ich als Halter weiß, wie der Hund reagiert, was ich ihm zumuten oder ersparen kann, dann ist es für Hund und Halter einfacher den Alltag zu meistern.

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Im Sand laufen und spielen findet Emma toll.

Aber was bedeutet eigentlich Deprivation?  
Hunde, die aus dem Ausland eingeführt wurden, oder Hunde die von Vermehrern kommen, leiden häufig an Deprivation. Sie sind reizarm aufgewachsen, zu früh von der Mutter weg oder nicht sozialisiert.  Die Deprivation ist ein Mangel oder Entzug von etwas, was man braucht. Wenn wir das auf Hunde beziehen, dann ist es meistens ein Erfahrungsmangel. Dieser Mangel in der Welpenzeit löst ein Deprivationssyndrom aus. Dem Welpen fehlen durch schwere Deprivationen die notwendigen Reize und somit wird ein Entwicklungsschaden ausgelöst, der lebenslang nicht zu beheben ist. Dem Welpen fehlt meistens die komplette Sozialisierung an den Menschen und äußere Reize, wie z. B. Fahrräder oder Kinderwagen.
Emma wurde als Welpe auf Korfu mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern im Straßengraben gefunden. Sie hatte null Sozialisierung auf Menschen, bis heute noch lässt sie keine fremden Menschen (ohne Hund) an sich heran. Das finde ich persönlich erst einmal nicht schlimm, denn Hunde sind sehr höfliche Wesen und entscheiden selber, wann sie gestreichelt werden wollen. Doch bei Emma war es anders, sie wich aus und versuchte gar zu fliehen, wenn sie jemand ansprach, anguckte oder streicheln wollte.
Ich dachte damals, nun, dann muss sie wenigsten gut hören und bombardierte sie mit Signalen und Kommandos. Doch je mehr ich mit ihr trainierte, um so schlimmer wurde unsere Beziehung. Ich trainierte alles Mögliche mit ihr: Rückruf, Sitz, Platz, nichts funktionierte. Ich war genervt und Emma vertraute mir nicht. Unsere Kommunikation funktionierte überhaupt nicht. Kommunikation ist meist verknüpft mit Interaktionen. Sie ist eine Verhaltensweise bei der Absichten und Stimmungen mitgeteilt werden. Meine Stimmung war aufgrund der Tatsache, dass nichts funktionierte nicht gut und da Emma ein sehr sensibler Hund ist, hat sie auf meine Forderungen sofort reagiert, in dem sie nämlich gar nicht reagiert hat. Die Übertragung der Informationen vom Sender zum Empfänger war total gestört.

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Emma bei der Arbeit; die Zwergentruppe in Schach halten.

Trainingspause war angesagt und brachte erste Erfolge mit Emma!
Nach Monaten resignierte ich und gönnte Emma und mir eine Trainingspause. Auf einmal war sie wie ausgewechselt und sie kam zu mir, wenn ich sie rief und sie blieb bei mir, ohne vor mir davon zu laufen. Sie erlebte mich ohne Druck und Stress und das schien ihr zu gefallen.
Leider verwechseln viele Hundehalter die Verweigerung der Zusammenarbeit mit Ungehorsam ihres Hundes. Das ist natürlich völliger Quatsch. Deprivationsshunde können nicht mitarbeiten, wenn sie nicht in einer für sie optimalen Situation sind und ihrem Halter vertrauen können. Eine optimale Situation wäre in der Wohnung oder im Haus zu trainiern, dann im Garten und wenn sich das alles verfestigt hat, kann ein Training außerhalb des Zuhauses stattfinden. Generalisierung und geregelte Tagesabläufe sind für für solche Hunde besonders wichtig und unabdingbar.
Ich stellte früh fest, dass sie im Beisein von anderen Hunden auftaute und war jeden Tag mit den unterschiedlichsten Hunden und Menschen unterwegs. Das bereitete ihr so viel Freude und gab ihr ein gewisses Selbstbewusstsein, so dass sie sogar die Halter der Hunde begrüßte und diese Emma streicheln durften.

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Lieblingsbeschäftigung fördern, hier: Leckerlie aus der Luft schnappen.

Stressmanagement  – und das lebenslänglich!
Auf Korfu gibt es kaum Fahrräder, dafür aber viele LKWs. Emma ist heute 8 Jahre alt und verfällt immer noch in eine leichte kontrollierbare Stresssituation, wenn sie ein Fahrrad sieht. Durch entsprechende Managementmaßnahmen habe ich ihr diese Situation erleichtert und kann sie im Freilauf mit einem Bleib-Signal und Handzeichen davon abhalten, dem Fahrrad bellend hinterher zu laufen. Wenn uns ein Fahrrad begegnet, wenn sie an der Leine ist, kniee ich mich hin, streichele sie und rede beruhigend auf sie ein, so dass sie sich nicht aufregt. Stehe ich mit Emma jedoch am Straßenrand und ein 7,5 Tonner LKW fährt an uns vorbei, zuckt sie noch nicht einmal zusammen.

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Aus der Ferne beobachten.
Was kann ich tun, wenn ich mit einem Hund mit Deprivationssyndrom zusammenlebe?
Als erstes benötigt man viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Eine Sensorische Diät ist
hilfreich. Unternehmt mit dem Hund Aktivitäten, die er gerne macht, wobei er sich entspannen kann. Auf gar keinen Fall darf eine Reizüberflutung bei einem Deprivationshund stattfinden, heißt, dass man nicht mehrere Sachen gleichzeitig macht, wie z. B.
– eine neue Umgebung
und
– Menschen und Geräusche kennenlernen.
Vermeidung von Aufregern ist die oberste Priorität um ein entspanntes Zusammensein zu gewährleisten. Das ist jedoch nicht immer möglich.
In Emmas Fall: Vermeidung von Fahrrädern, was natürlich nicht immer geht. Behaltet  euren Hund und sein Stress-Level immer im Auge. Je nervöser er wird, desto eher seid ihr angehalten ihn in eine ruhige und für ihn bekannte und entspannte Umgebung zu bringen, damit er sich beruhigt. Ich habe Emma einen ritualisierten Tagesablauf angeboten und wir sind immer wieder mit Hundefreunden spazieren gegangen. So hat sie gleich viele verschiedene Menschen, die unterschiedlichsten Hunde kennen gelernt und sie hatte eine Erwartungssicherheit.
Deprivationshunde tragen am besten ein Geschirr (Angstgeschirr).
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Viel Ruhe und Schlaf sind wichtig.
Emmas Deprivationsliste:
– ängstliches Verhalten gegenüber Menschen (oder
Hunden)
– Aggressionen gegenüber Menschen
– stressanfällig (Schaum vorm Maul)
– nicht konzentriert/nicht ansprechbar
– Unsicherheit
– Fluchtverhalten
– Ausweichen/z. B. will nicht gestreichelt werden
– Unsicherheit bei verschiedenen Untergründen
– Fahrradfahrer/Jogger jagen
– Angst in der Stadt in belebten Situationen
– Angst vor neuen Situationen
– Angst davor, wenn z. B. auf einmal ein Karton im
Raum steht
– wenn Freunde zu Besuch kommen
– Angst vor Kindern
– Ziehen an der Leine, Flüchten wollen
– Angst durch Türen hindurch zu gehen
Hier sind noch mal die Symptome von deprivierten Hunden, grob zusammengefasst:
– Hyperaktivität
– Neophobie (Angst vor Neuem)
– Inhibition (Hemmung von Verhalten)
– Störung im Sozialverhalten
– Aggression

– Stressempfindlichkeit

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Klettern, Schnüffeln und Leckerlies suchen.
Entspannung und Kauen zum Stressabbau sind sehr wichtig, sowie die Förderung der Ruhe und Zuwendung sind unabdingbar bei einem Deprivationshund.  Auch die „Shoppingtour“ nach Geschäftsschluss wird für den ängstlichen Hund zu einer Herausforderung und er wird gefördert, ohne gestresst zu werden. Das nennt man: Environmental Enrichment = “Bereicherung der Umwelt” eine direkte Übersetzung reicht nicht aus, um diesen Ansatz zu beschreiben. Dieses Konzept kommt aus der Zootierhaltung. Hunde leben artgerecht und sind zufriedener, wenn ihre Umwelt den natürlichen Lebensbedingungen
gleicht. Hunde lieben Nasenarbeit. Es ist ihr wichtigstes Organ. Deshalb ist Nasenarbeit in jeglicher Form für den Hund sinnvoll, wie Mantrailing, Schnüffelarbeit, Fährten, Apportieren.  Alle Hunde(sport)arten, bei der die Nase unseres Hundes gefördert wird, eignen sich. Ein Hund hat bis zu 220 Millionen Riechzellen im Gegensatz zu uns Menschen, die nur 5 Millionen Riechzellen haben.
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Schnüffeln auf einem abegernteten Rübenfeld.
Gewöhnt euren Hund an Geräusche, Dinge, Umgebungen und Menschen. Dabei ist es wichtig, den Hund aus der Ferne gucken zu lassen, viele kleine und große Dinge zu zeigen, wie Tüten oder Kartons usw.. Zum Wohlfühlen gehört ein gut strukturierter Arbeitsalltag, hochwertiges Futter und soziale Kontakte – aber auch die Möglichkeit, seine geistigen Fähigkeiten zu fördern und zu erweitern.
Nachdem Emma und ich zu einem Team zusammen gewachsen waren und sie mir vertraute, war sie bereit, mit mir zusammen zu arbeiten. Sie lernt sehr schnell und versteht sehr viele Signale und führt diese auch gerne aus. Sie kann sehr gut apportieren (sogar Schlüssel), macht gerne die „Verlorenensuche“, Mantrailing und Nasenarbeit findet sie richtig toll. Das Longieren meistert sie auch mit Bravur. Longieren ist toll, um Hunden auf Distanz Sichtzeichen beizubringen. Uns hat das Arbeiten auf Distanz z. B. dabei geholfen, wenn Emma im Freilauf einen Fahrradfahrer sieht, kann ich sie sehr gut mit einem Bleib-Signal und Handzeichen davon abhalten, hinterher zu laufen. Sie ist ein witziger, sanfter, feinfühliger und sehr liebenswerter Hund und ich bin für jeden Tag, den ich mit ihr zusammen sein kann, dankbar.
Bettina Küster
Hundespychologin nTR
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Der 1. Artikel ist von der Initiatorin Sunny Bennet, die diese Aktion ins Leben gerufen hat.

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade 2018 zur Aktion „Tausche TV-Trainer-Ticket gegen Training“ der Initiative für gewaltfreies Hundetraining. Seit 2014 tauschen über 200 TrainerInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gebrauchte TV-Trainer-Tickets für ein halbes Jahr nach der Veranstaltung gegen eine Gratis-Trainingsstunde.

Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemanden überholt werden!

Ich darf den BAAK Dogwalker Boomer, Halbschuh Sporty testen. Die Firma beschäftigt sich hauptsächlich mit der Herstellung von stylischen Arbeitsschuhen. Doch nunmehr bietet BAAK auch Schuhe für Hundemenschen an, auf dem selben Qualitätsniveau wie die Arbeitsschuhe der Firma BAAK. Ich habe mal ein paar Kriterien zusammengestellt, die ich bewertet habe.

1: Erster Eindruck

Der BAAK Dogwalker Boomer, Halbschuh Sporty kam in einem schönen Karton an. In dem Karton befand sich außerdem noch ein kleines Pfotentuch für den Hund. Der Schuh sieht sehr sportlich aus.

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2: Material

Der Schuh wird mit Materialien der Firma Cordua aus der Schweiz hergestellt. Es handelt sich dabei um Polyamid (Nylon)

3: Verarbeitung

Die Verarbeitung des Materials ist perfekt und man merkt die Professionalität bei der Herstellung.

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4: Tragegefühl / Passform

Das erste Gefühl war, dass der Schuh schwer aber gleichzeitig auch bequem beim Tragen ist. Da ich einen breiten Fuß und einen hohen Spann habe, war ich gespannt, wie dieser sitzt. Doch nachdem ich den Schuh nun fünf Tage hintereinander getragen habe, gibt es keine einzige Stelle die drückt. Der Einstieg ist einfach und der Schuh ist sehr trittfest. Es ist kein einziger spitzer Stein zu merken. Beim Hügel hinaufklettern auf sehr unebenem Grund fühlte ich mich mit diesem Schuh sehr sicher. Beim Wandern durch hohes nasses Gras sind meine Füße trocken geblieben.

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Über Stock und Stein, 100 % wasserdicht.

5: Sohle

Die eingearbeitete Sympatexmembrane sorgt dafür, dass der Halter auf Wanderungen mit seinem Hund gut geschützt ist. Der Schuh hat eine Vibram-Sohle, die italienische Firma ist bekannt für abriebfeste Schuhsohlen aus Gummi, ursprünglich wurde sie an Bergschuhen eingesetzt, mittlerweile auch im Bereich Sport-, Wander- und Winterschuhen.

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6: Gesundheitsfaktor

Aus der Beschreibung der Homepage von der Firma BAAK : „Die ergonomische gestaltete Laufsohle unterstützt das natürliche Abrollverhalten des Fußes. Eine vollflächige Dämpfung sorgt für die Entlastung der Gelenke und der Wirbelsäule. Das herausnehmbare Klimafußbett sorgt für ein angenehmes Fußklima“.  Ich kann das bestätigen, das Gefühl beim Tragen diesen Schuhs ist sehr angenehm, auch wenn ich beim ersten Tragen das Gefühl hatte, der Schuh sei schwer.

7: Service Hersteller

Ich hatte zuerst einen Schuh der zu groß war, schnell und unbürokratisch wurde die kleinere Größe zugeschickt.

8: Umweltverträglichkeit

Der Transportweg des Schuhs ist nicht ganz so weit. Der Schuh wird in Italien hergestellt.

9: Haltbarkeit

Zur Haltbarkeit des Schuhs kann ich noch nichts sagen, da er erst seit einer Woche in meinem Besitz ist.

10. Preis

Mit 113,90 Euro ist der BAAK Dogwalker Boomer, Halbschuh Sporty sicherlich nicht günstig, aber der Schuh ist seinen Preis auf jeden Fall wert.

Insgesamt ist der BAAK Dogwalker Boomer, Halbschuh Sporty ein sehr schöner stylischer Schuh für seinen Zweck, der sowohl beim Agility (lt. Beschreibung auf der Homepage der Firma BAAK) getragen werden kann und auch für Wanderungen geeignet ist. Ich würde mir diesen Schuh noch in anderen Farben wünschen.

Hier geht es zum Shop der Firma BAAK.. Wenn Ihr mit dem Codewort „Gute-Laune-dogs“ bestellt, erhaltet Ihr einen Vorteilsrabatt von 5% bei Bestellungen.
http://shop.baak-dogwalker.de/

Nur ein Versehen oder das Fernsehen?

Gastbeitrag von Carolin Reger

Ein freundlicher Tag Anfang Februar um die Mittagszeit. Ideal für einen Spaziergang, denn um diese Zeit ist in der Regel nichts los. Drei meiner Hunde haben Handicaps und fühlen sich zur „Hunde-Rush-Hour“ nicht wohl. So ziehen wir los, durch den Wald, dann auf das offene Feld. Hier gibt es immer viel zu schnüffeln.

Doch wir sind nicht allein. Mitten auf dem Feld toben vier andere Hunde. Einer rast mit einer Frisbee-Scheibe im Fang umher, ein anderer reitet auf – offensichtlich ein aktionsreicher Ausflug. Kann ich es wagen weiterzugehen?

Soviel Power, Tempo und Adrenalin ist nichts für meine vier: Yala, fast 12, hat nach einer Knie-OP noch immer leichte Probleme, Aqui, 7, hat beidseitige HD, litt vorübergehend unter Epilepsie und ist generell sehr stresssensibel. Und Galga Lillifee, ebenfalls 7, hat es nach einer traurigen Vergangenheit in vielen kleinen Schritten erst lernen müssen, zu Hund und Mensch Vertrauen aufzubauen. Und so liebt sie ruhige Begegnungen, die sie nicht überfordern und denen sie dann angstfrei gewachsen ist. Und tatsächlich gilt das auch für die kleine Coco. Sie ist 5 Jahre alt, gesund, und trotzdem – sie liebt es höflich von Hund zu Hund, also eine ruhige Annäherung, die Zeit gibt für zuvorige Kommunikationssignale.

Coco – Aqui – Yala – Lilli

Ich leine Lilli der Sicherheit halber an. Die Hundebesitzer haben sich in meine Gegenrichtung in Bewegung gesetzt und so setze ich meinen Weg fort. Der Abstand erscheint groß genug (ca. 100 Meter) und meine Hunde in meiner unmittelbaren Nähe gehe ich ruhig weiter. Plötzlich Stopp. Aqui ist zuerst stehen geblieben – ich schaue nach dem Grund:

Zwei der Hunde rasen auf uns zu. Wie gut, dass Lilli angeleint ist, denn schon will sie flüchten. Ich blicke übers Feld zu den Menschen – ein Pfeifen-Pfiff ertönt. Doch dieser verändert das Verhalten der Hunde nicht. Nicht beim ersten, nicht beim zweiten, und auch nicht beim 3., 4., 5. Mal (und erneut lernen sie gerade, dass sie den Pfiff ignorieren können) … Yala versucht inzwischen, die beiden Fremden bellend abzusplitten, Aqui zeigt Stresssymptome, Coco gelingt es, sich der Situation zu entziehen. Weitergehen ist nicht möglich, denn meine Hunde wollen – verständlicherweise – nicht diese beiden Fremden im Nacken haben, sie lieber im Auge behalten. Kommt denn nun endlich einer der Menschen, um die Hunde abzuholen? Weit gefehlt. Im Gegenteil. Fassungslos muss ich zusehen, wie die Gruppe nach dem Xten Pfiff einfach weitergeht, bis sie außer Sicht ist. Für meinen Geschmack ist das absolut rücksichtslos. Zugegeben: nach den ersten Minuten entspannt sich die Lage, meine Hunde haben erkannt, dass ihnen keine Gefahr droht – doch sie sind körperlich mit den vitalen Besuchern überfordert.

War das nur ein Versehen? Wohl kaum, die Menschen hatten sich ja in Bewegung gesetzt, als ich mit meinen Hunden auftauchte. Ich fand das sehr nett, denn da Lilli angeleint war, nahm ich an, dass sie das als Signal verstanden hätten. Doch dann war ich plötzlich minutenlang allein – mit 6 statt 4 Hunden.

Zurück zum Titel: Ich denke, dies ist kein Einzelfall und auch kein Versehen – sondern das Fernsehen! Mir fällt auf dem Rückweg eine Sendung ein, die Ähnliches als Trainingstipp zum Besten gab: Ihr Hund kommt nicht? Stattdessen mischt er lieber eine Hundegruppe auf? Also dann schnell aufs Fahrrad, in die Pedale was das Zeug hält und außer Sicht gelangen, am Besten sogar verstecken! Dann kommt der Hund schon … Das erscheint mir nun wie das perfekte Abbild des Erlebten.

Das Fernsehen. Einschaltquoten. Geld. Publicity. – Auf Kosten unserer oder anderer Hunde? Leider ja, wie die obigen Beispiele zeigen.

In einer anderen Sendung (ich habe nur drei gesehen, um entspannt zu bleiben) war ein Zuhause mit bodentiefen, fast die gesamte Zimmerbreite einnehmenden Fenstern zum Garten vorgestellt. Ein schöner Garten. Das fanden auch diverse Katzen, die sich hier gern aufhielten und regelmäßig die Fensterfront entlang parlierten. Dass dabei ruhig zu bleiben insbesondere für Jagdhunde eine Herausforderung sein kann, kann man sich denken. Vor allem, wenn dieser Jagdhund aus dem Tierschutz kommt und ein ruhiges Zusammenleben mit Katzen nie kennen gelernt hat. Und so war es wohl auch. Bellen, Aufregung, am Fenster entlang rasen. Zu sehen war dann der gezielte Wurf eines nagel- oder krampenähnlichen Metallteils. Dann war Ruhe. – Eine beeindruckende Lösung?

Sicherlich wurde auch dieser „Tipp“ von vielen angenommen und umgesetzt. Doch das Medium Fernsehen ist tückisch: Wie viel Metall ist denn tatsächlich geworfen worden? Wie lange wurde gedreht? Wie viele Wiederholungen gab es? Wie viele Schnitte und Manipulationen? Wie lange dauerte es tatsächlich, bis der Hund (ein Podenco) beim Anblick der Katzen zumindest äußerlich ruhig blieb? Wir wissen es nicht. Und erfahren es nicht. Das Fernsehen zeigt ausgewählte Bilder, nicht die ganze Wahrheit. Und so ist der Zuschauer gefordert, Gesehenes zu hinterfragen.

Hunde sind bei allen Gemeinsamkeiten doch so unterschiedlich. Wie unterschiedlich die Rassen, die Veranlagungen, die Lebenserfahrungen, der Gesundheitszustand, … Das Fernsehen kann keine individuellen Lösungen anbieten, doch diese sind wichtig. Für jeden Hund. Und Lösungen sollten hundefreundlich sein, wenn sie im Fernsehen gezeigt werden, finde ich. Dem eigenen Hund davon zu laufen, erzeugt Stress in ihm. Ihn mit anderen Hunden allein zu lassen, ist rücksichtslos. Schütteldosen, Würfe mit Metallgegenständen, der Einsatz von Wasserpistolen erzeugen Angst und sind äußerst unangenehm. Zudem können andere als die erwünschten Folgen eintreten!

Ich persönlich lasse meine Hunde nicht mit anderen Hundebesitzern und diese nicht mit meinen Hunden allein. Es liegt in meiner Verantwortung, das Interesse sowohl meiner als auch anderer Hunde und selbstverständlich das Interesse all derjenigen, die bei ihren Freizeitaktivitäten keinen unkontrollierten Hund treffen möchten, zu wahren. Und das ist ja auch nicht schwer, wenn man seinen Hund gut kennt und bereit ist, das Ansehen unserer Hunde in der Gesellschaft positiv zu beeinflussen.

Bringen Sie Ihrem Hund ein Aufmerksamkeitssignal bei. – So können Jogger, Radfahrer, ängstliche Hunde etc. ungestört vorbei gehen.

Und zum Thema Fenster und Katzen? Wir müssen keine Hunde haben. Doch entscheiden wir uns, einem Vierbeiner ein Zuhause zu geben, sollten wir da nicht vorab überlegen, welche Rasse, welches Alter, welches Wesen etc. ein Hund, der in unser Zuhause passt, haben sollte? Und wenn ich bei dieser Entscheidung Fehler gemacht habe, dann den Hund dafür bestrafen? – Ich hätte in diesem Fall z. B. eine Gardine bis auf Sichthöhe des Hundes angebracht.

Lösungen können kreativ und so einfach sein – aus Liebe zum Hund, und im Bewusstsein der Verantwortung, die wir für unsere Mitlebewesen haben. Wir sind gefragt, nicht das Fernsehen!

PS: Yala erlitt ihren Kreuzbandriss, als ein fremder Hund, der über eine Entfernung von 50 Metern Tempo aufgenommen hatte, sie ohne abzubremsen über den Haufen lief. Sie hatte sich splittend vor Lilli gestellt. Der Halter hatte tatenlos zugesehen und wollte sogar einfach weitergehen.

Infos zu Carolin Reger unter http://www.nasenreich.de

Wandern im Grenzgebiet – Wir lieben Holland

Die letzte Wanderung ist schon etwas länger her. Da Emma mit ihrer eingeschränkten Beweglichkeit der rechten Vorderpfote (Durchtritt und Karpale Luxation) nicht mehr so belastbar ist, suche ich nun Wanderwege, die auch Emma laufen kann. Dazu haben wir uns für eine 5 km-Wanderung in der Region Arcen auf der Schandelose Heide entschieden, ca. 35 km von Neukirchen-Vluyn entfernt.

Am besten parkt ihr auf dem auf dem Staelseweg in Velden parken. Als Anhaltspunkt fürs Navi ist diese Gaststätte geeignet. Der Einstieg zur Schandelose Heide befindet sich links von der Gaststätte.
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Als erstes seht ihr einen geradegezogenen langen Weg. Alle Wege in Holland sind meistens für Wanderer, Fahrradfahrer und Reiter gleichermaßen erlaubt. Als Orientierung nehmt die abgeschrägten blauen Pfähle, um den Rundkurs von 5 KM zu wandern.

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Im Moment siehts noch nicht ganz so schön aus, da die Bäume noch keine Blätter haben und alles ziemlich matschig ist.
Doch wird man schon bald mit diesen schönen Bildern von einer Heide- und Moorlandschaft belohnt.

 

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Überall sind Seen und kleine Tümpelchen eine Oase für Frösche und Co.

Auch Vogelliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Ein paar Wildgänse die uns genauso beobachteten wie wir sie.

Auf dieser Wanderroute befindet sich keine Gastronomie, so dass die Verpflegung selbst mitgebracht werden sollte. Emma blieb an der Schleppleine, obwohl wir mehrere Hunde gesehen haben, die frei liefen. Ich habe sie gerne bei mir an der Schleppleine, wenn wir in einem fremden Gebiet sind.

Ich wünsche viel Spass beim Nachwandern.

Bettina Küster

 

 

Job und Hund – alles unter einem Hut

Seit 2010 ist die Anzahl der Hunde in Deutschland über die Jahre zwar stetig leicht gesunken, jedoch zählten die Hunde mit rund 11,6 Millionen Hunden in deutschen Haushalten immer noch zu den zweitbeliebtesten Haustieren nach Katzen (Quelle: http//statistica.com). Die meisten Hundehalter sind berufstätig und hetzen sich von der Arbeit nach Hause, um zu ihrem Hund zu kommen. Sie haben ein schlechtes Gewissen, ihm nicht gerecht zu werden. Denn sie wissen, mein Hund sitzt Zuhause und wartet auf mich, oder muss in der HuTa oder beim Hundesitter abgeholt werden.
Ohne Arbeit ist es kaum möglich ist, sich einen Hund zu leisten. Arbeitslose Menschen können sich oft keinen Hund leisten, da sie die Kosten, wie Tierarztkosten, Steuern, Versicherung und Futter nicht bezahlen können.

Die wenigsten Hundehalter können ihren Hund mit zur Arbeit nehmen. Doch wie kann ich meinem Hund trotzdem gerecht werden, wenn ich arbeiten gehe? Wie kann ich das alles managen, ohne ständig ein schlechtes Gewissen zu haben und zu denken, dem Hund geht’s nicht gut; er ist zu lange alleine?
Eins ist klar, Hunde leben im Hier und Jetzt und sie sind uns keinesfalls böse, oder nachtragend, wenn wir mal 10 Minuten später von der Arbeit kommen.
Der Hund beherrscht die Anpassung an seine Umgebung und den Menschen perfekt. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Hund für acht Stunden alleine bleiben kann. Nein, genau da muss ich als Halter die Verantwortung tragen und dafür sorgen, dass ich einen Hundesitter beauftrage. Dieser sollte sich täglich mindestens 1-2 Stunden um den Hund kümmern. Eine andere Alternative ist eine Hundetagesstätte, in der der Hund bleiben kann, solange sie arbeiten. Eine Möglichkeit ist es, den Arbeitgeber nach einer Teilzeitbeschäftigung zu fragen.

Vorstellung berufe
Wenn der Hund nicht mehr mit zur Arbeit darf – was dann?
Als ich noch als vollzeitbeschäftigte Angestellte arbeitete, durfte ich meinen Hund jeden Tag mit zur Arbeit bringen. Das war für mich praktisch und der Hund war nicht allein zu Hause. Bevor ich mir jedoch Sinead, so hieß der Hund, angeschafft hatte, sicherte ich mich bei meinem damaligen Arbeitgeber ab, sie mitnehmen zu dürfen.  Ich hatte kein schlechtes Gewissen, da Sinead immer an meiner Seite war. Eines Tages kam eine neue Mitarbeiterin ins Team, die mit mir zusammen im Büro gesessen hat. Sie hatte Angst vor Hunden.  Ich wurde gebeten, den Hund nicht mehr mitzubringen. Ich reduzierte meine wöchentlichen Arbeitsstunden; mein Hund blieb Zuhause. Letzen Endes war es eine sehr gute Entscheidung. Ich hatte mehr Freizeit und mein Hund war auch entspannter, da sie nun ihre absolute Ruhe Zuhause hatte und nicht mehr ständig vom Büroalltag gestört wurde.

Wenn Hunde nicht zur Ruhe kommen, weil sie ständig Termine haben oder gestört werden?
Geht der Hund mit ins Büro, sollte gewährleistet sein, dass er genügend Schlaf- und Ruhephasen hat. Erwachsene Hunde chillen und schlafen zwischen 14-18 Stunden am Tag. Kranke, alte und junge Hunde noch viel mehr. Unseren Hunden ist das Ruhebedürfnis angeboren. Die meisten Hunde wurden dazu gezüchtet, für ihre Helicopterbesitzer immer dann einsatzbereit zu sein, wann immer der Halter es verlangt. So jagt eine „Sportart“ die andere im Stundenplan: montags Agility, dienstags Dogdance, mittwochs Trickschule, donnerstags frei, freitags Mantrailing und samstags Obidience, sonntags frei. Mit dieser Einsatztätigkeit des Hundes rauben wir ihm sein nötiges Ruhe- und Schlafbedürfnis. Schlafmangel lässt den Stress- und Cortisolspiegel des Hundes steigen. Der Cortisolspiegel beim Hund baut sich wesentlich langsamer ab, als beim Menschen. Wenn Menschen zu wenig geschlafen haben, legen sie sich hin und halten ein Nickerchen. Beim Hund ist das so nicht möglich. Er benötigt wesentlich länger, um „entstresst“ zu werden und um diesen Mangel auszugleichen. Leidet der Hund nun jeden Tag an Schlafmangel, kommt es unweigerlich zu Verhaltensauffälligkeiten, wie z. B. Aggressionen.
Bei einer Untersuchung zum Schlafentzug von Hunden wurde folgendes festgestellt: Im ersten Stadium des Schlafentzugs wurden die Hunde überdreht. Im Zweiten unkonzentriert, grobmotorisch und fahrig. Im Dritten nervös und schnell reizbar. Im Vierten aggressiv und kränklich. Im fünften Stadium erkrankten sie schwer und / oder chronisch.
Alleine bleiben muss der Hund lernen

 

Hunde schaffen es für 4-5 Stunden problemlos alleine zu bleiben. Allerdings sollte das Alleine bleiben sukzessive aufgebaut werden. Lassen Sie Ihren Hund nicht direkt von Anfang an mehrere Stunden alleine. So etwas muss geplant und trainiert werden. Das bedeutet, dass durchaus ein Jahresurlaub bei der Anschaffung eines Hundes für die Eingewöhnung berücksichtigt werden muss. Hiermit meine ich aber nur das normale  Eingewöhnen, wie Tagesablauf und Rituale festlegen und kennenlernen. Die Gewöhnung an das Alleine sein für 4-5 Stunden am Tag kann natürlich nicht in 2-3 Wochen erlernt werden.

Alles eine Frage der Organisation – wenig ist mehr!

Die Halter deren Hunde in der Hundetagesstätte abgeholt werden, brauchen jetzt keine Mammutspaziergänge mehr mit ihrem Hund zu machen. Der Hund ist vom Tag in der HuTa ziemlich müde und ist froh bei seinem Halter zu sein. Eine kleine Entspannungsrunde für den Hund zum Schnüffeln wäre jetzt ideal, um vom Tag „runterzukommen“. Zuhause angekommen bekommt der Hund Futter und Streicheleinheiten und benötigt jetzt Schlaf, um das Erlebte zu verarbeiten.

Die Hunde, die vom Hundesitter betreut werden, hatten auch schon ein oder mehrere Erlebnisse hinter sich und sind froh, dass der Hundehalter Zuhause ist. Am Nachmittag noch eine Hunderunde zu drehen, um selber abzuschalten ist jetzt genau das Richtige für Hund und Halter. Leckerliesuchspiele können den Spaziergang noch etwas aufpeppen,  bevor der Hund Zuhause gefüttert und der Feierabend eingeleutet wird.

Teilzeitbeschäftigte können entspannt Nachhause kommen. Es kann ein ganz normaler Spaziergang stattfinden, wo Hund und Halter zusammen die Landschaft erkunden.
Je nach Lust und Laune des Hundes können Apportier- und Suchspiele mit eingebaut werden.

Zum Schluss noch meine Meinung zu Bürohunden: Im Moment ist das Thema in aller Munde. Natürlich ist es schön, wenn der Hund überall dabei sein kann. Doch vor dem Hintergrund, dass Hunde sich nicht gerne von jedem anfassen lassen möchten und ein sehr hohes Ruhe- und Schlafbedürfnis haben, bin ich keinesfalls eine Verfechterin, den Hund jeden Tag mit in das Büro zu nehmen, auch wenn das möglich wäre. Ein Vorschlag: Den Hund für einen oder zwei Tage mitzunehmen und für den Rest der Woche eine andere Lösung anzuvisieren, wie z. B. einen Hundesitter oder eine Hundetagesstätte.
Bettina Küster
Hundepsychologin nTR

Hier gehts zu meiner Gute-Laune-Dogs-Akademie; in Kürze halte ich mein 1. Webinar zum Thema ABC für Hundehalter.

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Eine andere Perspektive auf die Mensch-Tier-Bindung

VON

BETTINA KÜSTER

Mit einem Haustier zu leben kann uns viel über erfolgreiche Kommunikation und Empathie lehren.

Was bedeutet Empathie überhaupt?

Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, den emotionalen Zustand eines anderen Empfindungsfähigen zu erkennen und zu teilen. Wir Menschen sind in der Lage unsere Emotionen durch Sprache auszudrücken. Tiere können ihre Emotionen nicht durch Sprache, sondern durch Körperhaltung, Laute, Gestik, Mimik sowie chemische Signale wie Gerüche und Pheromone ausdrücken.  Während die Kommunikation zwischen Individuen verschiedener Spezies wahrscheinlich schwierig sein wird, ist es unter Individuen gleicher Art aufgrund des gemeinsamen genetischen und ökologischen Hintergrunds normalerweise einfach.

Kommunikationsprobleme auch bei Menschen

Aber auch zwischen Menschen können Kommunikationsprobleme entstehen. Jeder, der in einem  fremden Land Urlaub gemacht hat kennt das;  die Missverständnisse und Frustrationen, die dadurch entstanden sind, dass man nicht dieselbe Sprache spricht und nicht verstanden wurde. Dabei vergessen wir, dass Menschen, die eine andere Sprache sprechen, in einer anderen kulturellen Umgebung leben und akzeptieren Dinge nicht, die für diese Menschen normal sind. Diese Schwierigkeit in der Kommunikation, ist das was unsere Haustiere jeden Tag mit uns erleben. Haustiere und Menschen haben sehr unterschiedliche Sprachen und Wahrnehmungen der Umwelt.

Sprachen haben sich entwickelt, um die Kommunikation zwischen Individuen derselben Spezies zu fördern, die in einer bestimmten Umgebung leben. Was für die eine Art nützlich und sicher sein kann, kann nutzlos und bedrohlich für eine andere Art sein. Das gilt für Menschen, Hunde, Katzen und alle anderen Tiere. Die Domestikation des Hundes hat seine kommunikativen Fähigkeiten mit Menschen stark verbesssert; Hunde können menschliche verbale und Körpersignale vielleicht besser als jede andere Spezies verstehen. Der Hund ist in der Lage den emotionalen Zustand des Besitzers aus seinem Tonfall heraus zu verstehen und er wird nach einem Objekt greifen, auf das der Besitzer mit dem Finger zeigt.

Menschen, Hunde und Katzen

Menschen, Hunde und Katzen sind jedoch Spezies mit enorm unterschiedlichen kommunikativen Fähigkeiten. Ihre jeweiligen Sprachen haben sich in erster Linie für die Kommunikation innerhalb ihrer eigenen Spezies in ihrer typischen Umgebung entwickelt und dann teilweise an ein gemeinsames Leben angepasst. Katzen haben den größten Teil ihres evolutionären Lebens in einer Umgebung verbracht, in der sie keine Ressourcen teilen (es gibt nicht viel zu teilen, wenn die Beute eine kleine Maus ist!). Als Katzen anfingen, mit Menschen zusammen zu leben, tolerierten sie die Nähe des Menschen, weil sie sich dann weniger bedroht fühlten. Ihre kommunikativen Fähigkeiten waren jedoch relativ „arm“, da sie den größten Teil ihres evolutionären Lebens in Einsamkeit verbracht hatten. Das gilt auch nach wie vor noch für unsere schnurrende Hauskatze, die sich von uns 10 Minuten streicheln lässt und gemütlich neben uns auf der Couch liegt und wenn wir nicht auf die Körpersprache der Katze achten, könnte es sein, dass sie sich plötzlich umdreht und in unsere Hand beißt, um zu sagen: „Hör auf!“ Der Mensch liebt es, Hunde und Katzen  lange zu streicheln, zu umarmen und zu küssen, denn enger Körperkontakt ist eine weit verbreitete Art des Menschen, Zuneigung auszudrücken.

Evolution der Hunde

Sicher ist die Geschichte der Hundeevolution anders, denn Hunde waren schon immer soziale Tiere, die ihr Territorium und ihre Ressourcen teilen. Sie entwickelten anspruchsvolle kommunikative Fähigkeiten, die teilweise an das Leben der Menschen angepasst sind, und sie nutzen enge körperliche Interaktionen mit Artgenossen und Menschen. Aber genießen unsere Hunde die Überschwenglichkeit, die manche Menschen zeigen, wenn sie mit einem fremden Hund interagieren?
Um diese Fragen zu beantworten, beobachten wir zusammen, was die meisten Hunde tun würden, um einen anderen Menschen oder einen anderen Hund zu begrüßen.  Der Hund nähert sich einer unbekannten Person mit Vorsicht, während sein Schwanz wackelt und er ihn vorsichtig beschnüffelt, um Gerüche und Pheromone wahrzunehmen, die wichtige Informationen über den Mensch enthalten. Erst danach entscheidet der Hund den nächsten Schritt. Der wedelnde Schwanz signalisiert nicht nur Freude; er sagt nur, dass der Hund in einer sozialen Interaktion involviert ist. Wenn wir nun wissen wollen, was der Hund denkt, müssen wir uns den Rest des Körpers anschauen. Wenn er sich verbeugt, könnte er eine spielerische Interaktion beginnen. Wenn seine Ohren nach hinten gerichtet sind und seine Zunge wiederholt Nase und Lippen leckt, dann benötigt der Hund etwas mehr Zeit, bevor er sich einer engeren Interaktion nähert.  Es gibt zig verschiedene Verhaltensweisen, die ein Hund unter ähnlichen Umständen zeigen kann, und jede von ihnen hat eine andere Botschaft. Leider achten wir nicht immer auf diese Botschaften. Und wenn ein Hund kein aggressives Verhalten zeigt, gehen wir davon aus, dass es ihm gut geht. Also bewegen wir uns zu schnell vorwärts und beginnen eine enge körperliche Interaktion und der Hund fühlt sich bedroht.

Zuneigung angemessen kommunizieren

Die meisten befreundeten Menschen begrüßen sich mit Umarmen und Küssen. Doch nicht jedem Mensch behagt diese Begrüßung. Man sollte also bei der Begrüßung auf sein Gegenüber achten und die Menschen weniger überschwenglich begrüßen und das Verhalten der Menschen beobachten, um zu verstehen, wie man „Zuneigung“ angemessen kommunizieren kann. Das sollten wir auch mit unseren Haustieren tun:

  • Erkenne das arttypische Verhalten
  • Erkenne das Verhalten des einzelnen Individuum, um seine Botschaften zu verstehen
  • Reagiere angemessen, entprechend dem Standpunkt des Tiers

Dies ist eine großartige Übung, um unsere Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und Empathie gegenüber jenen Spezies, Kulturen und Individuen zu fördern, die die Welt auf andere Weise sehen. Wir sollten uns bemühen, die Gefühle zu verstehen und zu respektieren.  Beginnen wir mit den Menschen und Tieren, die bei uns leben!

 

Bettina Küster

Hundepsychologin nTR

 

Wünsche für das Jahr 2018

26116148_10208309190806126_4033398687723413669_oIch wünsche allen Facebookfreunden und meinen Mitlesern auf meiner Gute-Laune-Dogs-Facebookseite alles Liebe und Gute im Neuen Jahr.

Den Menschen wünsche ich viel Empathie für ihre Hunde und dass sie versuchen, diese zu verstehen und sich evtl. in sie reinzuversetzen, auch wenn es manchen Menschen schwerfällt. Hunde sind so bezaubernde Wesen. Sie verstehen uns eigentlich immer. Sie bringen uns zum Lachen, Weinen, Ausruhen, Entspannen, und zum Bewegen…usw..

Den Hunden wünsche ich Menschen, die sie verstehen und ein artgerechtes Leben in unserer manchmal hektischen Zeit. Hunde haben immer Zeit für uns.

In diesem Sinne, passt gut auf Eure vierbeinigen Freunde auf. Denkt daran, Ihr seid die Einzigen, die sie haben.

Liebe Grüße

Bettina mit Emma